Autor Archiv

Notfallkommunikation bei Veranstaltungen

1 Notfälle bei Veranstaltungen

Ob Brand, Unwetter, MANV[1] oder Terrordrohung, bei Veranstaltungen kann es zu Notfällen verschiedenster Art und Intensität kommen. Grundsätzlich gilt, dass jene Situation als Notfall definiert werden kann, in der eine drohende Gefährdung für die körperliche und seelische Unversehrtheit von Menschen eintritt[i]. Weitere Merkmale wie ein Mangel an Zeit, Informationen, Material und Personal tragen dazu bei, dass Verantwortliche in Notfällen schnell und effektiv handeln müssen, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden.

Wichtig dabei ist, dass alle Parteien schnellstmöglich über die Situation und eventuelle Handlungsmaßnahmen informiert werden. Es gilt daher einerseits eine effektive Kommunikation mit internen Verantwortlichen wie dem Veranstalter, Betreiber, Veranstaltungsleiter, Technischen Leiter und Ordnungsdienstleiter zu gewährleisten, andererseits aber auch mit externen Instanzen wie den BOS[2], das heißt mit Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Auch die Besucher einer Veranstaltung – die die Hauptschutzgruppe der (Muster-)Versammlungsstättenverordnung darstellen – müssen im Notfall schnellstmöglich über die Situation sowie sichere Verhaltensweisen aufgeklärt werden.

In diesem Artikel soll betrachtet werden, welche Faktoren in einem Kommunikationskonzept, als Teil eines Sicherheitskonzepts gemäß §43 MVStättVO, betrachtet werden müssen, sodass die Notfallkommunikation mit den verschiedenen Parteien einer Veranstaltung so effektiv wie möglich gestaltet werden kann. Im Vordergrund steht hierbei der Faktor Mensch sowie dessen Fühlen, Denken und Handeln in Notfallsituationen.

2 Kommunikationsgrundlagen in Notfallsituationen

Grundsätzlich gilt es bei der Notfallkommunikation zwischen der Kommunikation mit Experten und der Kommunikation mit Laien zu unterscheiden. Zu den Experten zählen in der Eventbranche im weitesten Sinne alle Personen, die mit der Veranstaltung und deren Sicherheitsorganisation vertraut sind, wie Veranstalter, Betreiber, Veranstaltungsleiter und Ordnungsdienstleiter. Auch die BOS haben einen gewissen Expertenstatus, zumindest bezüglich des Themas Notfall- und Katastrophenintervention. Hinsichtlich der Veranstaltungsorganisation und den relevanten Umgebungsfaktoren (Veranstaltungsgelände, Zufahrten, etc.) sind die Mitglieder der BOS in vielen Fällen jedoch auf mehr Informationen angewiesen als interne Verantwortliche.

Besucher wiederum müssen im direkten Vergleich zu internen Verantwortlichen und den BOS als Laien eingestuft werden, da diese  (wenn überhaupt)  nur oberflächlich mit der Veranstaltung und deren Sicherheitsvorkehrungen vertraut sind. Entsprechend benötigen Besucher andere Informationen und auch eine andere Art der Notfallkommunikation als Experten. Die genauen Unterschiede und die zielgruppenspezifische Anforderungen an Kommunikationskonzepte werden in den nächsten drei Kapiteln näher erläutert.

2.1 Interne Notfallkommunikation

Für die Kommunikation zwischen Veranstalter, Betreiber der Veranstaltungsstätte, Veranstaltungsleiter, Sicherheits- oder Ordnungsdienstleiter, technischem Personal,  aufsichtführenden Personen, Brandsicherheits- und Sanitätsdienstleitern sowie anderen internen Verantwortlichen ist die Erstellung und Einhaltung einer Informationskette bzw. -hierarchie die Basis für ein schnelles  und effektives Handeln in Notfallsituationen. Denn Undeutlichkeiten bezüglich der Zuständigkeiten sind mit einer der häufigsten Gründe für falsche oder zu späte Reaktionen bei Notfällen in Veranstaltungsstätten. Die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner fordert einerseits kostbare Zeit, verschlechtert andererseits aber auch den Zusammenhalt innerhalb eines Teams, was sich wiederum negativ auf die interne Kommunikation auswirken kann. In vielen Fällen kann man daher beobachten, dass bei schlechter interner Zuständigkeitsregelung der Sachinhalt (z.B. „Die Notausgänge müssen jetzt geöffnet werden.“) – und damit die tatsächlich wertvolle Information – in den Hintergrund der Kommunikation tritt und stattdessen Emotionen wie Ungeduld oder sogar Wut (z.B. „Warum haben die Idioten vom Sicherheitsdienst noch nicht die Notausgänge geöffnet?“)  die Nachricht dominieren[ii].

Zudem neigen wir dazu, in Notfällen vermehrt unsere Emotionen bezüglich der Situation (z.B. „Es gibt furchtbar viele Verletzte, überall ist Blut!“) anstelle der genauen Informationen zu übermitteln („Es gibt ca. 20 Verletzte, 5 davon schwer.“)​. Dies kann die Einschätzung der Lage für interne Ersthelfer, jedoch auch für den Rettungsdienst deutlich erschweren, wodurch letztendlich Betroffene, die schnell Hilfe benötigen, nicht mit entsprechender Priorität behandelt werden[3][iii].

Die Formulierung knapper, aber präziser Informationen und Anweisungen ist daher einer der wichtigsten Herausforderungen, die im Notfall bewältigt werden müssen. Verantwortliche sollten sich dabei grundsätzlich über folgende Fragen verständigen:

  1. Was ist passiert: Diese Information sollte so deutlich wie möglich formuliert werden, auf unnötige Fremdwörter gilt es zu verzichten.
  2. Wo ist es passiert: Hierbei sollte gegebenenfalls auch auf sichere Bereiche hingewiesen werden, in die Besucher sich begeben können.
  3. Wer hat was zu tun: Im Idealfall ist dies bereits schriftlich geregelt, sollte jedoch zur Verdeutlichung noch einmal wiederholt werden.

In diesem Zusammenhang gilt es Missverständnissen und Kommunikationsfehlern entgegenzuwirken, die durch ein erhöhtes Stressniveau ausgelöst werden. Grundsätzlich empfinden wir in Notfallsituationen Stresssymptome in Form eines gesteigerten Erregungsniveau und einer Einschränkung unserer visuellen und akustischen Wahrnehmungsfähigkeit. Es empfiehlt sich daher, beim Empfang einer Nachricht das Verstandene kurz und knapp zu wiederholen (z.B. „Verstanden. Ich informiere die Besucher jetzt über den Brand.“). Sollte der Übermittler der Information oder Anweisung etwas anderes gesagt oder gemeint haben, ist eine unmittelbare Korrektur der Nachricht möglich.

Zudem empfinden wir es in Stresssituation als kognitiv entlastend uns auf Wegen zu verständigen, die uns bereits vertraut sind. Hierzu zählen unter anderem auch die Sprache und die Kommunikationsmittel. Idealerweise sollte man daher bereits im Normalfall Begrifflichkeiten definieren und nutzen, die in Notfallsituationen relevant sein können. Zusätzlich kann es nützlich sein, sogenannte Code- oder Signalwörter für Notfallsituationen festzulegen. Der Hinweis, eine Anweisung „sofort“ auszuführen, könnte beispielsweise für Situationen reserviert werden, in denen eine unmittelbare Handlung des Angesprochenen überlebenswichtig für Mitarbeiter oder Besucher ist. Auch sogenannte Notfall-Kommunikationsmittel (vgl. Kapitel 3.1) sollten regelmäßig während der alltäglichen Arbeit genutzt werden, sodass eine Nutzung in Stresssituationen ohne „großes Nachdenken“ ermöglicht wird.

Ein weiteres wichtiges Element der Notfallkommunikation liegt in der Artikulation, denn ein häufiger Fehler besteht darin, ausgerechnet die wichtigen Worte in einem Satz undeutlich auszusprechen. Auch der Tonfall ist in diesem Zusammenhang entscheidend, da dieser ein Hauptübermittler von Emotionen ist. Durch die Stimmlage kann z.B. Stress ausgedrückt, aber auch die Dringlichkeit einer Botschaft betont werden. Aus diesem Grunde sollten gerade interne Entscheidungstreffer mit gezielten Sprechtrainings auf Notfallsituationen bei Veranstaltungen vorbereitet werden.

2.2 Notfallkommunikation mit den BOS

Ursache für eine verzögerte Reaktion der BOS in Notfällen ist zumeist ein unklares Lagebild für die Einsatzkräfte. Denn die tatsächlich vorhandenen Informationen der Lage finden nicht immer direkt den Weg zu den Entscheidern und Ausführern der Feuerwehr, Polizei und des Rettungsdienstes. Ziel der Notfallkommunikation mit den BOS ist es daher, das Bild der Lage zu den Entscheidern zu bringen  und die Entscheidungen an die ausführenden Kräfte weiterzuleiten.

Im Idealfall kennen die Veranstalter und Betreiber daher bereits die jeweiligen Einsatzleiter der Feuerwehr, der Polizei und des Rettungsdienstes, sodass die  Kommunikation schnell und  effektiv abgewickelt werden kann. Die wichtigsten Informationen für die BOS, die vor der Kontaktaufnahme bestmöglich geklärt werden sollten, lauten wie folgt:

  • Besteht eine Gefährdung für die Einsatzkräfte (z.B. der „Second Hit“[4] bei Verdacht auf Terroranschlägen)?
  • Wie hoch ist die Anzahl der Betroffenen bzw. Verletzten?
  • Wie schwer sind die Verletzungen (augenscheinlich)?
  • Wie genau sieht die räumliche Situation aus? Wo befinden sich die Betroffenen und wie können diese z.B. mit den Rettungsfahrzeugen erreicht werden?

Einsatzleiter müssen also erfahren, was wo geschieht, um spezifische Entscheidungen zu treffen und diese an ausführende Instanzen (z.B. an das Ordnungsdienstpersonal, Mitarbeiter und Hilfskräfte) weitergeben zu können.

Weiterhin gilt es, bereits beim Eintreffen der Hilfskräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei den Kontakt zwischen dem oder den Verantwortlichen der Veranstaltung (z.B. dem Veranstaltungsleiter gemäß §38 MVStättVO) und der Einsatzleitung der nichtpolizeilichen BOS (z.B. Einsatzleiter / Technische Einsatzleitung) und der Polizei (z.B. Polizeiführer, Führungsstab) herzustellen, um einerseits die Verdeutlichung des Lagebilds zu beschleunigen und andererseits die Durchführung von Maßnahmen zu vereinfachen.

2.3 Notfallkommunikation mit Besuchern

Wie bereits zu Beginn dieses Kapitels erläutert, haben Veranstaltungsbesucher aufgrund ihrer fehlenden Vertrautheit mit den genauen Gegebenheiten der Veranstaltung sowie dem Umgang mit Notfallszenarien ein besonderes Informationsbedürfnis. Der Inhalt, aber auch die Formgebung der Notfallkommunikation müssen dementsprechend an die Zielgruppe angepasst werden.

2.3.1 Inhalt von Notfallbotschaften

Wissenschaftliche Studien der Risikopsychologie konnten belegen, dass eine Notfallkommunikation mit Laien immer auf zwei Informationen eingehen muss, wenn sie ein gewünschtes Verhalten erzielen soll[iv].

Die erste Information bezieht sich auf die Art und Ernsthaftigkeit des Notfalls, das heißt: Was ist passiert, warum liegt hier eine akute Gefahr vor und inwiefern bin ich von dieser Gefahr persönlich betroffen? Besucher müssen demnach immer konkret über die folgenden Fragen aufgeklärt werden:

  • Um welche Art von Notfall handelt es sich (z.B. Brand, Explosionsgefahr, Stromausfall)?
  • Warum ist dieser Notfall ernst genug, um mich hiervon in Kenntnis zu setzen (z.B. Einsturzgefahr einer Bühne, gefährliche Rauchentwicklung)?
  • Inwiefern ist dieser Notfall für mich persönlich relevant (in manchen Fällen braucht z.B. nur ein Teil des Veranstaltungsgeländes geräumt zu werden)?

Im Idealfall ist der Empfänger einer Notfallbotschaft  nach diesen ersten Informationen aufmerksam und alarmiert. Um unerwünschtes Verhalten – zum Beispiel den Ausbruch von Panik – zu vermeiden und ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle zu erzeugen, muss dem Empfänger der Botschaft jetzt auch mitgeteilt werden, welche sicheren Handlungsmöglichkeiten sich für ihn ergeben, warum diese sicher und effektiv sind und wie genau diese Handlungen umzusetzen sind. Bei der Räumung oder Evakuierung einer Veranstaltungsstätte zum Beispiel müssen betroffene Personen also direkt nach Bekanntgabe des Notfalls darüber informiert werden:

  • dass sie alle bisherigen Handlungen (ggfs. konkretisieren) einstellen und den gefährdeten Bereich unmittelbar verlassen sollen,
  • über welche Notausgänge dies geschehen muss,
  • mit welchen Hilfsmitteln (z.B. Schilder, Pläne, Ordner) der nächstgelegene Notausgang gefunden werden kann,
  • welche sicheren Orte sie gegebenenfalls aufsuchen sollen (z.B. Sammelplatz).

Da Unsicherheiten und ein Gefühl von fehlender Kontrolle über die Situation Stress und irrationales Verhalten[5] auslösen können, sollte eine Notfalldurchsage vor allem ehrliche, konkrete Informationen beinhalten.  In manchen Notfällen mit hohem Panikpotential (z.B. Bombendrohungen) kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, eine glaubwürdige Notlüge für die Räumung der Veranstaltung in der Hinterhand zu haben (z.B. Rauchentwicklung). Diese Notlüge muss jedoch ebenfalls bereits im Vorfeld gründlich ausgearbeitet und eingeübt werden.

Zusätzlich zu den inhaltlichen Informationen sollten bei der Erstellung von Notfallkommunikationskonzepten jedoch immer auch formelle Aspekte beachtet und umgesetzt werden.

2.3.2 Formgebung der Notfallkommunikation

Mit ungeschulten Veranstaltungsbesuchern sollte die Notfallkommunikation immer auf eine möglichst direkte Art stattfinden, das heißt idealerweise von Angesicht zu Angesicht. Da Notfalldurchsagen grundsätzlich eine Unsicherheit für betroffene Personen darstellen, können der direkte Kontakt zu einer menschlichen Informationsquelle und damit die Wahrnehmung von Mimik und Gestik die Einschätzung der Situation erleichtern. Der Sprecher  sollte deshalb immer sowohl Autorität als auch Ruhe verkörpern und mit großer Sorgfalt ausgewählt werden. Wenn die Art der Veranstaltungsstätte eine direkte Face-to-Face Kommunikation nicht zulässt, sollte die Ruhe und Autorität über die Stimme vermittelt werden. Ein entsprechendes Stress- und Sprechtraining für den Verantwortlichen kann in beiden Fällen unterstützend wirken.

Da die Wahrnehmungs- und Aufnahmefähigkeit von Menschen in Stresssituationen eingeschränkt ist, sollten Notfalldurchsagen zudem mehrmals wiederholt und mit Signaltönen oder -wörtern (z.B. „Achtung! Wichtige Durchsage!“) angekündigt werden. Diese Signale sollten dann ausschließlich für die Notfallkommunikation reserviert bleiben und nicht für normale Kommunikationszwecke verwendet werden. Zusätzlich ist es zu empfehlen, gesprochene Nachrichten immer auch visuell darzustellen (z.B. durch animierte Fluchtwegpläne), um die Aufnahme der Informationen auch in lauten Umgebungen bestmöglich zu gewährleisten. Gleichzeitig sollte aufgrund der begrenzten Aufnahmefähigkeit jegliche akustische oder visuelle Ablenkung durch Musik, Filme, Lichtshows, o.Ä. vermieden werden. Gegebenenfalls muss eine entsprechende technische Einrichtung zur automatischen Abschaltung von Beschallungsanlagen vorgesehen werden.

3. Technische Aspekte der Kommunikation

Eine Forderung aus dem Arbeitsschutz (§10  ArbSchG) bzw. den Unfallverhütungsvorschriften (§ 25 (1) DGUV V1) ist die sichere Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst bei Unfällen. Das heißt, dass der Betreiber oder Veranstalter als Arbeitgeber bzw. Unternehmer unter Anlegung vernünftiger Maßstäbe sicherzustellen hat, dass  bei einem Brand oder einem Personenschaden Hilfe verlässlich und rasch gerufen werden kann. Weiterhin hat der Betreiber einer Versammlungsstätte immer die sichere Räumung der Versammlungsstätte im Gefahrenfall zu gewährleisten (§42 MVStättVO), was auch eine funktionierende Koordination und Kommunikation der beteiligten Kräfte erfordert.

Verkürzt kann also gesagt werden, dass Kommunikationsmittel so gewählt und eingesetzt werden müssen, dass neben dem reibungslosen Regelbetrieb auch die interne Kommunikation und das Anfordern externer Hilfe im Störfall gewährleistet sind. Eine Abstimmung mit den Stellen der öffentlichen Gefahrenabwehr ist dabei ratsam.

3.1 Interne Kommunikation

Die technische Ausstattung muss einem Kommunikationsplan folgen, der wiederum die tatsächliche Organisation im Betrieb widerspiegelt.

Mag bei einer Kleinstveranstaltung noch der Gebrauch einiger Betriebsfunkgeräte auf einem gemeinsamen Kanal für alle Beteiligten ausreichen, entwickelt sich die Struktur des Kommunikationsplanes mit wachsender Mitwirkendenzahl. Ab einem gewissen Umfang ist es unumgänglich, einzelne Gewerke in der Kommunikation voneinander zu trennen, um Überlastung der Kanäle und Belastung der Mitarbeiter mit irrelevanten Informationen zu verhindern. Spätestens, wenn Leiter einzelner Bereiche (z.B. von Gastronomie, Ordnungsdienst, Veranstaltungstechnik und Sanitätsdienst) wiederum viele unterstellte Kräfte führen müssen, bietet sich die Schaffung eines Führungs- sowie mehrerer Abschnitts-Gesprächskreise an.

Die technische Umsetzung folgt den Anforderungen. Als derzeitigen Goldstandard, auch unter Berücksichtigung der notwendigen Betriebssicherheit, kann man digitale Bündelfunksysteme wie DMR/motoTRBO und TETRA ansehen.

Eine funktionierende interne Kommunikationsstruktur und die dazu passende, geeignete Technik ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Zusammenarbeit bei Störfällen und damit für die rasche und entschlossene Durchführung notwendiger Maßnahmen.

3.2 Kommunikation mit Besuchern

Für den Einsatz von Durchsage- und Sprachalarmierungsanlagen existieren umfangreiche gesetzliche Vorgaben (u.a. MVStättVO) und Vorgaben hinsichtlich der Ausführung und Funktion (u.a. DIN EN 54, DIN 14675, DIN EN 60849 und VDE 0833-4).Über diese Mindestvorgaben hinaus kann man aber den Erfolg der Ansprache der Besucher – auch unter Berücksichtigung psychologischer Erkenntnisse – durch relativ einfache technische und organisatorische Maßnahmen unterstützen.

Wie bereits in Kapitel 2.3.2 erläutert ist eine gesprochene Notfalldurchsage dem „DIN-Ton“ stets vorzuziehen. Der Lage angepasste (vorbereitete) Texte, die ggfs. wahrnehmbare Ereignisse beschreiben und auf die Stimmung unter den Besuchern Rücksicht nehmen, sind die Ideallösung und vermeiden Gerüchte- und Panikentstehung. Dies setzt allerdings Übung und eine entsprechende Vorbereitung seitens der Veranstalter und Betreiber voraus.

Wie bei der internen Kommunikation gilt also auch hier: Die technische Ausführung sollte die organisatorische Vorbereitung ergänzen und widerspiegeln und nicht den notwendigen Maßnahmen bei einer eventuellen Notfallkommunikation entgegenstehen.

4 Der Einfluss von Kommunikation auf Paniken

Der Begriff der (Massen-)Panik ist aus der Presse nicht mehr wegzudenken, wird jedoch oft zu Unrecht zur Erklärung von Notfällen und Katastrophen verwendet. Auch wenn es durchaus Situationen gibt, in denen einzelne Menschen in Fluchtsituationen panisch reagieren, sind regelrechte Massenpaniken ein eher seltenes Phänomen. Um diese Aussage zu verstehen, gilt es zunächst die Merkmale einer Panik zu betrachten:

Auch wenn es keine offizielle Definition gibt, wird Panik in der wissenschaftlichen Literatur zumeist als kopfloses, egoistisches Verhalten bezeichnet, bei dem primitive Motive (d.h. das eigene Überleben) an erster Stelle stehen und kooperative Verhaltensweisen (z.B. Hilfsbereitschaft) in den Hintergrund treten. Hinzu kommt die Einschränkung  verschiedener kognitiver Funktionen, wie des menschlichen Wahrnehmungsvermögens. Verengungen des Gesichtsfelds, Tunnelblick, Einschränkung der Hörfähigkeit und Reduktion der Schmerzempfindlichkeit sind einige der Faktoren, die bei Paniken dazu beitragen, dass Menschen externe Informationen (z.B. Durchsagen) nur schwer verarbeiten bzw. sich dadurch leiten lassen können[v].

Einer der Hauptziele der Notfallplanung sollte es daher sein, den Ausbruch einer (Massen-)Panik zu verhindern. Eine gute, konstante Kommunikation mit den Besuchern zählt hierbei zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen, denn fehlende oder gegensätzliche Informationen – oder die die als solche wahrgenommen werden – sind einer der häufigsten Ursachen für panische Verhaltensweisen. Umgehende Gerüchte (z.B. über Bombendrohungen) sollten aus diesem Grunde stets ernstgenommen und schnellstmöglich entkräftet werden.

Die Kommunikation mit Menschenmengen, die sich bereits in Panik oder in einem Vorstadium befinden, muss aufgrund der geringen Wahrnehmungsfähigkeit besonders einfach und deutlich gestaltet werden. Im Vordergrund sollten daher knappe aber ehrliche Informationen über die Situation (vgl. Kapitel 2.3.1) stehen. Sollte es möglich sein, die Situation unter Mithilfe der Menschenmenge zu lösen, können auch einfache Handlungsanweisungen gegeben werden, wie „Alle treten jetzt drei Schritte zurück.“ Vermieden werden sollten sogenannte negative Formulierungen. Das heißt, es sollten keine Handlungsanweisungen erteilt werden hinsichtlich der Aktionen, die nicht erfolgen sollen (z.B. „Bitte geraten Sie nicht in Panik“), denn das Wort „nicht“ kann aufgrund der eingeschränkten Wahrnehmung durch Stress und Umgebungsgeräusche überhört werden. Hinzu kommt im obigen Beispiel die Nennung des Panik-Begriffs. Gerade bei Menschen, die bisher vergleichsweise ruhig geblieben sind kann dies das Gefühl auslösen, dass es tatsächlich einen Grund zur Panik geben muss, denn sonst würde der Sprecher diese nicht erwähnen. Eine Verstärkung der Panik wäre dann nicht auszuschließen.[vi]

Zu guter Letzt sollte auch in einer Paniksituation die vorhandene Information in sehr regelmäßigen Abständen wiederholt und aktualisiert werden. Die Verkündigung von (wahren!) Fortschritten in der Lösungen der Situation können ebenfalls dazu beitragen, dass Menschen ruhiger und gelassener werden und sich die Situation entspannt.

Auch wenn eine (Massen-)Panik eher selten eintritt, sind deren körperlichen und psychischen Folgen für die Beteiligten nicht zu unterschätzen. Daher ist es in jedem Falle sinnvoll, sich im Rahmen eines Notfallkonzepts auch Gedanken zu Kommunikationsstrategien in Paniksituation zu machen.

5 Fazit

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass „Kommunikation“ ein organisatorischer Faktor ist, der einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Ablauf und die Ausprägung eines Notfalls bei Veranstaltungen haben kann.   Aus diesem Grunde sollten bereits im Vorfeld einer jeden Veranstaltung Kommunikationskonzepte für Notfallsituationen entwickeln werden, mit denen die vorhandene Zeit im Ernstfall optimal genutzt werden kann. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Psychologie sowie praktische Erfahrungen aus den letzten Jahren können Verantwortlichen dabei helfen, für ihre Veranstaltung und Zielgruppen ein passendes konzeptuelles und technisches System zu entwickeln, mit der eine effektive Kommunikation mit sowohl Mitarbeitern als auch mit externen Einsatz- und Hilfskräften sowie der Besucherschaft gewährleistet wird.

Zusätzlich zu der Entwicklung und Optimierung sollte der Fokus von Verantwortlichen auch auf der praktischen Erprobung der Kommunikationskonzepte und technischen Systeme liegen, sodass im Ernstfall ein möglichst reibungsloser und damit sicherer Ablauf gewährleistet werden kann. Unterstützung finden Veranstalter, Betreiber und Veranstaltungsleiter beispielsweise bei Sachverständigen oder Fachplaner für Veranstaltungs- und Besuchersicherheit.

Autoren: 

Jana Domrose, Tobias Zweckerl & Olaf Jastrob, Technisches Sachverständigenbüro Jastrob

Fußnoten:

[1] Kurz für Massenanfall von Verletzten

[2] Kurz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben

[3] Vergleichbare fehlerhafte Kommunikation hat auch bei der Love Parade 2010 in Duisburg dazu geführt, dass einige schwerverletzte Personen zu spät versorgt wurden.

[4] Gezielter zweiter Anschlag, wenn Helfer am Ort des Geschehens eintreffen.

[5]Wichtig:  Das irrationale Verhalten wird in der Situation vom Betroffenen als einzig logische Handlungsmöglichkeit wahrgenommen.

Quellen:

[i] DIN 13050:2015-04 (2015). Begriffe im Rettungswesen. Beuth-Verlag.

[ii] Lasogga, F. & Gasch, B. (Eds.). (2011). Notfallpsychologie: Lehrbuch für die Praxis (S. 435-442). Heidelberg: Springer.

[iii] Helbing, D., Mukerji, P. (2012). Crowd disasters as systemic failures: Analysis of the love parade disaster. EPJ Data Science (Springer).

[iv] Kievik, M., ter Huurne, E.F.J. & Gutteling, J.M. (2012). The action suited to the word:  Use of the framework of risk information seeking to understand risk-related behaviors. Journal of Risk Research, 15(2), S. 131 – 147.

[v] Lasogga, F. & Gasch, B. (Eds.). (2011). Notfallpsychologie: Lehrbuch für die Praxis (S. 435-442). Heidelberg: Springer.

[vi] Technische Unternehmensberatung Jastrob (2015). Veranstaltungssicherheit aus psychologischer Sicht.  S. 7-10.

 

Keine Kommentare

Großeinsatz: Brand im Hotel

Räumung und Evakuierung in der Realität – Ein Erfahrungsbericht von Jana Domrose, wissenschaftliche Mitarbeitern beim Technischen Sachverständigenbüro Jastrob

Ein Brand in einem Hotel, Menschen laufen auf die Straße, teilweise nur in ihren Schlafanzügen. Solche und ähnliche Notfallszenarien sieht man hin und wieder in den Nachrichten, aber selbst kann einem so etwas doch eigentlich nicht passieren – denkt man zumindest. Die Autorin wurde Ende Mai während einer geschäftlichen Reise eines Besseren belehrt und berichtet in dem vorliegenden Artikel über ihre Beobachtungen und Erfahrungen.

Die ersten Minuten nach dem Alarm

 Es ist ein Abend in einem Hotel, kurz nach 22 Uhr. Die meisten Gäste (inkl. der Autorin) befinden sich bereits auf dem Weg ins Bett. Plötzlich ertönt das typische, durchdringende Signal der Feuersirene. Übung oder Ernst? Das ist wohl die erste Frage, die man sich in solch einer Situation stellt. Man schaut auf den Flur, sieht viele ratlos dreinblickende Gesichter. Aufgrund des bereits gut wahrnehmbaren Rauchgeruchs auf dem Flur wird jedoch schnell klar: Das ist keine Übung! Von untern ertönt bereits das Schreien der Rezeptionistin (glücklicherweise ist es ein sehr kleines Hotel) „Alle raus! Sofort raus!“ Daraufhin ziehen sich die meisten Gesichter unter Stöhnen wieder zurück, denn in Unterwäsche wollen trotz milder Temperaturen nur wenige Gäste ihr Zimmer verlassen. Die bereits angezogenen Gäste verlassen das Gebäude zugig aber geordnet.

Draußen auf dem Sammelplatz sieht man, dass bereits Flammen aus dem Dachstuhl des Hotels schlagen. Mit Entsetzen muss die Autorin beobachten, dass im obersten Stockwerk noch Gäste am Fenster stehen und seelenruhig ihre Tasche packen, obwohl der Brand nur wenige Meter entfernt immer stärker wütet. Erst nach lautem Rufen der draußen stehenden Hotelgäste „Kommen Sie da sofort raus!“ wird der Ernst der Lage erkannt.

Das Eintreffen der Rettungskräfte

OrgL und LNA im Einsatz, – ©Olaf Jastrob

Nur wenige Minuten nach der Räumung ertönt bereits die Sirene der Feuerwehr, die sich zusammen mit der Polizei und Krankenwagen einen Weg zum Hotelkomplex bahnt. Dort angekommen wird erst einmal sortiert. „Sind Sie Hotelgäste? Darüber!“. Gar keine so einfache Aufgabe, da einige der Gäste mehrmals versuchen in das brennende Hotel zu gelangen, um persönliches Gepäck zu retten. Andere Gäste wiederum kümmern sich zunächst einmal um ihre Autos, die rund um das brennende Hotel geparkt sind. Aber wohin damit, wenn alle Zufahrten bereits durch Einsatzfahrzeuge blockiert sind? Dann muss man wohl doch aussteigen und den rufenden und winkenden Männern mit Hut Folge leisten.

Nachdem die meisten Gäste nach langem hin und her zusammengetrommelt wurden (der Sammelplatz musste in der Zwischenzeit drei Mal verlagert werden, da die Gäste durch den drehenden Wind immer wieder im Rauch standen), wird vom Organisatorischen Leiter (OrgL)  des Rettungsdienstes die Gästeliste verlesen. Jeder, der sich noch melden und laufen kann, bekommt zudem eine Markierung auf die Hand. „So sehen die Sanitäter, dass Sie keine akute Behandlung benötigen“, wird uns erklärt. Glücklicherweise werden „nur“ drei Personen, worunter ein Säugling, vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht. Doch wo wir jetzt sind, können wir nicht bleiben, denn die Rauchentwicklung ist trotz intensiver Löscharbeiten der Feuerwehr sehr stark und die Lichtverhältnisse eher schlecht.

Auf dem Behandlungsplatz

Kurzerhand wird daher ein nahegelegener Parkplatz eines großen Supermarktes als Behandlungsplatz ausgewählt. Dort angekommen muss zunächst jeder Hotelgast seinen Namen und Geburtsdatum auf ein Blatt Papier schreiben. Uns wird eingeschärft, keinesfalls den Parkplatz eigenständig zu verlassen. Einige Gäste protestieren, denn viele würden sich bei der nahegelegenen Tankstelle auf den Schreck gerne einen Kaffee oder ein anderes Getränk gönnen.

Nach und nach treffen immer mehr Sanitätsfahrzeuge ein, nicht nur vom DRK, sondern auch von der DLRG (später erfährt die Autorin, dass insgesamt 125 Rettungskräfte vor Ort waren!). Ruckzuck werden Bierzeltgarnituren für uns aufgebaut und Decken gegen die Kälte verteilt, denn viele Gäste sind ja noch im Schlafanzug. Aus einem Gespräch zweier Rettungskräfte erfährt die Autorin, dass  der Krisenstab außerordentlich froh über die milden und trockenen Wetterbedingungen ist, da es sonst „echte organisatorische Probleme gegeben hätte.“

Jetzt heißt es aber erst einmal warten, warten, warten. In der Zwischenzeit hat sich der gesamte Parkplatz mit verschiedensten großen und kleinen Einsatzfahrzeugen gefüllt. Einige Sanitäter beginnen ein Zelt für die Erstversorgung von Mitarbeitern der Feuerwehr zu errichten (diese scheinen mehr Schaden genommen zu haben als die Hotelgäste!), andere verteilen Getränke und später sogar Gesellschaftsspiele.

Trotz der insgesamt relativ optimistischen Stimmung hört man hier und da aber immer wieder Hotelgäste, die sich mürrisch und mit „ganz wichtigen“ Fragen an den OrgL wenden: „Wie komme ich denn jetzt an meine Klamotten? Ich habe morgen einen wichtigen Termin, da kann ich nicht im Schlafanzug erscheinen!“ Die kurze und knappe Antwort: „Ihre Klamotten sind uns im Augenblick sch….egal!“

Die Umverteilung

Zwischenzeitlich kümmern sich weitere Mitarbeiter des Krisenstabs um die Organisation von Schlafplätzen für die Gäste. Ganz geordnet werden wir grüppchenweise aufgerufen und in eines der umliegenden Hotels gebracht. Die Wirtin des Ersatzhotels der Autorin erzählt bei der Ankunft, dass sie den nächtlichen Anruf des Krisenstabs zunächst für einen schlechten Scherz gehalten und beinahe wieder aufgelegt hätte.

Fazit

Autorin: Jana Domrose, M.Sc. Psychologie

Für die Autorin – die sich beruflich mit u.a. menschlichem Verhalten in Notfallsituationen beschäftigt – war es interessant zu erfahren, dass viele der theoretischen Verhaltensmuster auch tatsächlich in der Praxis zu beobachten waren. Besonders auffällig hierbei waren die zum Teil stark verzögerten Reaktionen auf den Feueralarm sowie das dringende Bedürfnis einiger Personen, das brennende Gebäude trotz starker Rauchentwicklung zu betreten, nur um persönliche Gegenstände in Sicherheit zu bringen.

Dennoch muss festgehalten werden, dass die Rettungskräfte die Lage trotz der leicht chaotischen Situation und den problematischen Verhaltensweisen einiger Gäste gut im Griff hatten. Allen, zum Teil ehrenamtlichen Rettungskräften, die sich für uns die Nacht um die Ohren geschlagen und uns in dieser unangenehmen Situation bestmöglich versorgt haben, gilt es hierbei einen großen Dank auszusprechen!

Keine Kommentare

Angst vor Terroranschlägen und anderen Katastrophen

Warum wir uns nach aktuellen Großschadensereignissen unsicher fühlen

Die Angst vor Katastrophen

Der Terror ist mittlerweile ein weltweites Phänomen und Problem. Die mediale Berichterstattung ist so groß, dass man den Nachrichten über Anschläge und Amokläufe, aber auch über andere Katastrophen wie Flugzeugabstürze und Naturkatastrophen nicht mehr entkommt. Kein Wunder, dass solche Informationen bei den meisten Menschen erst einmal Entsetzen, Unsicherheit oder sogar Angst auslösen. Vor allem letztere kann jedoch soweit führen, dass Menschen ihr alltägliches Verhalten, ihre Gewohnheiten und Hobbys ändern oder sogar aufgeben. Doch warum empfinden wir gerade nach größeren Katastrophen ein erhöhtes Maß an Angst? Warum bestürzen uns Terroranschläge, Amokläufe, Flugzeugabstürze und Naturkatastrophen mehr, als beispielsweise die Zahl der jährlichen Verkehrstoten auf deutschen Autobahnen? Diese Frage, mit der sich in den letzten Jahren bereits mehrere psychologische Studien beschäftigt haben, soll in dem vorliegenden Artikel näher betrachtet werden.

Gefühlte und echte Risiken

Für uns Menschen ist es oftmals schwierig, Risiken realistisch einzuschätzen. Geschehnisse, vor denen wir uns am meisten fürchten und Ereignisse bzw. Umstände, die unser Leib und Leben tatsächlich am meisten gefährden, unterscheiden sich teilweise stark. Dies kann vor allem dann zum Problem werden, wenn das Ersatzverhalten für vermeintlich gefährliche Handlungen in Wirklichkeit ein höheres Risiko birgt, als das Ursprungsverhalten.

Ein anschauliches Beispiel für diese Fehleinschätzung bezieht sich auf die Zeit nach den Angriffen auf das World Trade Center am 11. September 2001. Nach diesem Ereignis verzichteten viele Amerikaner, aus Angst vor einer erneuten Flugzeugentführung, auf eine Reise mit dem Flugzeug und legten längere Stercken stattdessen mit dem Auto zurück. Als Konsequenz dieser Angst sind zwischen Oktober und Dezember 2001 laut dem „National Center for Statistics & Analysis“ der USA rund 1.000 Amerikaner mehr auf der Straße ums Leben gekommen, als gemäß Statistiken aus den beiden Jahren zuvor zu erwarten gewesen wäre. Das vermeintlich sichere Verhalten – nämlich die Fahrt mit dem Auto – forderte in diesem Falle also deutlich mehr Opfer, als die als „gefährlich“ eingestufte Nutzung von Flugzeugen als Verkehrsmittel.

Ein weiteres Beispiel für eine Fehleinschätzung von Risiken: Im Jahr 2013 starben laut Statitischem Bundesamt ca. 121.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens, trotzdem raucht immer noch ca. 30 Prozent der Erwachsenen regelmäßig. Im Vergleich dazu gab es im Jahr 2013 in Deutschland keine Todesopfer von terroristischen Anschlägen, im Jahre 2016 mussten zwölf Todesopfer verzeichnet werden. Obwohl diese Zahl vergleichsweise niedrig ist, werden gerade in den Wochen nach einem Anschlag öffentliche Veranstaltungen, Versammlungen und Plätze gemieden. Wie lässt sich dieser Verhaltensunterschied erklären?

Der Einfluss von Emotionen

Diese menschlichen Fehleinschätzungen sind oftmals auf die emotionale Reaktion auf Ereignisse zurückzuführen, in denen viele Menschen zum gleichen Zeitpunkt und unerwartet ums Leben kommen. Flugzeugabstürze und Terroranschläge erfüllen dieses Muster beispielsweise in den meisten Fällen. Wenn genauso viele Menschen über ein Jahr verteilt sterben, zum Beispiel durch Autounfälle oder regelmäßigen Zigarettenkonsum, löst dies hingegen nur wenig Angst in uns aus. Auch das Maß an Kalkül und Grausamkeit, das gerade bei Terroranschlägen und Amokläufen eine große Rolle spielt, beeinflusst unser Angstempfinden. Sind zudem auch noch „unschuldige Kinder“ von der Katastrophe betroffen, empfinden wir das Ereignis als besonders erschreckend und furchteinflößend.

Auch die mediale Berichterstattung spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle. Je mehr Details wir über eine Katastrophe erfahren, je mehr Bilder und Videos wir präsentiert bekommen, desto intensiver werden wir mit dieser Katastrophe konfrontiert und desto besser können wir uns in ähnlichen Situationen – z.B. bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum oder in Flugzeugen – an die Eintrittsmöglichkeit dieser Katastrophe erinnern. In der Psychologie wird dies auch „Verfügbarkeitsheuristik“ genannt. Wenn sich hingegen auf einem anderen Kontinent eine Katastrophe mit vielen Toten ereignet, die in den deutschen Medien nur mit einem Kurzbericht erwähnt wird, nimmt man dieses Ereignis als weniger wahrscheinlich und bedrohlich wahr.

Der Einfluss von Kontrolle und Vertrauen

Kontrolle ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Je weniger Kontrolle wir über ein Ereignis haben, desto eher sind wir dazu geneigt, die Bedrohlichkeit dieses Ereignisses zu überschätzen. Beispielsweise geben wir im Gegensatz zur Fahrt mit dem Auto bei einer Reise mit dem Flugzeug unser Leben in fremde Hände. Es gibt keine Bremse, die wir eigenhändig betätigen können, auch können wir dem Piloten während des Fluges nicht ins Steuer greifen.

Aufgezwungene Gefahren wie Terrorismus wirken zudem bedrohlicher als freiwillig in Kauf genommene Risiken wie beispielsweise exzessiver Zigarettenkonsum. Aus diesem Grunde fällt vielen der Aufenthalt bei öffentlichen Veranstaltungen oder Versammlungen nach Attentaten schwer. Wir wissen nicht – und könne auch nicht beeinflussen – wer sich mit uns zusammen in großen Menschenmengen aufhält und welche Gesinnungen und Pläne unsere Mitmenschen haben. Hinzu kommt gerade nach „erfolgreichen“ Anschlägen ein fehlendes Vertrauen in vorhandene Sicherheitsmaßnahmen und/oder -kräfte. Auch ein allgemeiner Zweifel an der (Sicherheits-)Politik eines Landes, kann sich nach akuten Katastrophen negativ auf unser Sicherheitsgefühl auswirken und unser Verhalten ändern.

Ein fehlendes Kontrollgefühl und geringes Vertrauen können also in Kombination mit starken negativen Emotionen erklären, warum unsere Ängste oftmals nicht mit den Fakten übereinstimmen und warum wir gerade nach Terroranschlägen, Flugzeugabstürzen und anderen großen Katastrophen unser Verhalten ändern. Doch welche Schlüsse lassen sich aus dieser Erkenntnis für das alltägliche Leben ziehen?

Was können wir tun? – Ein Fazit

Katastrophen, die einmal geschehen sind, können nicht mehr rückgängig gemacht werden. Ebenso wenig können wir uns jemals sicher sein, dass sich eine bestimmte Katastrophe nicht nochmal ereignen wird. Wie sollen wir uns dann nach Terroranschlägen, Flugzeugabstürzen und anderen großen Katastrophen verhalten? Wie können wir mit unseren Ängsten umgehen?

Eine klare Antwort ist nur schwierig zu formulieren. Zunächst sollten negative Gefühle, die durch große Katastrophen ausgelöst werden, nicht unterdrückt werden. Vielmehr sollten wir reflektieren, welchen Einfluss diese Gefühle auf unser tägliches Denken und Handeln haben und wie wir eventuelle Verhaltensänderungen unsererseits bewerten. Wenn man zum Beispiel vermehrt öffentliche Veranstaltungen meidet und damit versucht, das Risiko, bei einem Attentat ums Leben zu kommen, auszuschließen, wird sich das in den meisten Fällen negativ auf die Lebensqualität auswirken. Denn dann sollte man konsequenterweise auch keine Fußgängerzonen, Kaufhäuser, Flughäfen, Theater oder ähnliche öffentliche Plätze und Gebäude aufsuchen.

Vermeidendes Verhalten ist also nur in den wenigsten Fällen zielführend und resultiert, wie in Kapitel 2 beschrieben, oftmals sogar in anderen Risiken. Wichtig ist es daher, sich aktiv mit möglichen Gefährdungen und deren Wahrscheinlichkeit auseinanderzusetzen und mit Restrisiken leben zu lernen. Vertrauenswürdige Informationen sowie eine gute Kommunikation seitens der Regierung und anderen Autoritäten können die Bewertung von Risiken und deren Wahrscheinlichkeit hierbei vereinfachen und unsere Ängste reduzieren.

Autoren: Jana Domrose, M.Sc. Psychologie & Olaf Jastrob, Fachplaner für Besuchersicherheit (FH)

Quellen:

Eller, E., Lermer, E. & Streicher, B. (2013). Psychologische Einflüsse auf die individuelle Einschätzung von Risiken. Emerging Risk Discussion Paper. Ludwig-Maximilians-Universität München.

Jastrob, O. (2017).Technisches Sachverständigenbüro Jastrob (www.jastrob.de).

National Center for Statistics & Analysis (2003). Traffic Safety Facts 2002: Occupant Protection.Washington, DC, USA: National Highway Traffic Safety Administration, DOT HS 809 610.

Robert Koch Institut (2013). Verbreitung des Rauchens in der Erwachsenenbevölkerung in Deutschland: Ergebnisse der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1). Springer-Verlag Berlin Heidelberg.

Ropeik, D. (2004). The consequences of fear. EMBO reports. 5, S. 56-60.

Slovic, P. (2001). The risk game. Journal of Hazardous Materials 86, S. 17–24.

Statitisches Bundesamt (2014). Häufigste Todesursachen 2013.

Statistisches Bundesamt (2011). Unfallstatistik: Verkehrsmittel im Risikovergleich.

Bildquelle: ©Matthias Buehner – fotolia.com

1 Kommentar

Nach Silvester 2015/16: Neue Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen

Wichtige Hinweise zum Thema Veranstaltungs- und Besuchersicherheit bei Großveranstaltungen – nicht nur an Silvester.

Einlasskontrollen,  Einsatz von Reiterstaffeln und Helikoptern, erhöhte Beobachtungsposten und mobile Dienststellen der Polizei, Videoüberwachung und Lichtmasten zur Ausleuchtung dunkler Ecken sowie Frauenrückzugsräume: Diese und weitere Maßnahmen sollen Polizeiexperten aus Bund und Ländern laut WDR (Stand: 28.11.2016) in einem 60-seitigen „geheimen“ Arbeitspapier entwickelt haben, um die Besuchersicherheit auf Großveranstaltungen zu erhöhen. Auch das Kölner Sicherheitskonzept für Silvester 2016/17 wurde verschärft.

Olaf Jastrob, führender Fachplaner und Sachverständiger für Veranstaltungssicherheit, begrüßt diese Entwicklungen grundsätzlich:

„Um die Sicherheit einer Veranstaltung bestmöglich gewährleisten zu können, sollte man sich sachlich mit aktuellen Gefährdungspotenzialen auseinandersetzen und passende Maßnahmen entwickeln.“

 „Grundsicherheit“ ist das Stichwort

Zusätzlich weißt er jedoch darauf hin:

„Die Grundsicherheit und damit Resilienz einer Veranstaltung ist ein ganz entscheidender Faktor. Das heißt, dass die Besuchersicherheit, Mitarbeitersicherheit und öffentliche Sicherheit miteinander vereint und eine solide, übergeordnete Grundsicherheit geschaffen werden muss. Themen wie Evakuierung, Brandschutz, Arbeitssicherheit, technische Sicherheit, Ordnungsdienst, Security sowie Anlagen- und Betriebssicherheit sollten bei jeder Veranstaltung als Bestandteile dieser übergeordneten Sicherheit betrachtet werden. Um diese gewährleisten zu können ist es unabdingbar, geeignete Organisationsstrukturen, professionelle  Gefährdungsanalysen sowie Sicherheits- und Notfallkonzepte zu erstellen und regelmäßig zu überprüfen.“

Das Sicherheitskonzept – Wann ist es wirklich notwendig?

Die Versammlungsstättenverordnung (VStättVO, je nach Bundesland auch MVStättVO, SBauVO, o.ä.) schreibt offiziell vor, dass immer dann ein Sicherheitskonzept erstellt und ein Ordnungsdienst eingerichtet werden muss, wenn die Versammlungsstätte mehr als 5.000 Besucherplätze vorweisen kann. Zusätzlich ist die Erstellung eines Sicherheitskonzepts auch bei kleineren Veranstaltungen notwendig, sobald ein entsprechendes Gefährdungspotenzial vorliegt. Somit ist die Erforderlichkeit eines Sicherheitskonzeptes, der Einsatz eines Ordnungsdienstes oder gesonderten Räumungskonzeptes grundsätzlich zu prüfen. Die genauen Vorgaben und Geltungsbereich der VStättVO finden Verantwortliche auf der jeweiligen Landesrechtseite im Internet.

Fazit

Auch wenn eine 100%-ige Sicherheit bei Veranstaltungen nie garantiert werden kann, hilft ein professioneller Umgang mit dem Thema, Not- und Zwischenfälle zu vermeiden bzw. deren Auswirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Erstellung bzw. Aktualisierung von Gefährdungsanalysen sowie Sicherheits- und Notfallkonzepten ist hierfür die Grundvoraussetzung und sollte bei keiner Veranstaltungsplanung außer Acht gelassen werden.

Sie haben noch Fragen zum Thema Veranstaltungs- und Besuchersicherheit? Dann kontaktieren Sie Fachplaner und Sicherheitsexperten Olaf Jastrob.

 

 

Bildquelle:©Daniel Etzold – Fotolia.com

1 Kommentar

Sicherheit für Mädchen und Frauen auf der Münchener Wiesn


Sicherheit wurde während des Münchener Oktoberfestes auch dieses Jahr wieder großgeschrieben. Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehörte – wie auch in den letzten Jahren –  ein fester Security-Point der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“, an den sich Wiesn-Besucherinnen in verschiedensten Problemsituationen wenden können.

Gegründet wurde diese Aktion schon 2003 von AMYNA – Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch, IMMA – Initiative Münchner Mädchenarbeit –  und dem Frauennotruf München, um mit dem Tabuthema „sexuelle Gewalt auf dem Oktoberfest“ aufzuräumen und betroffenen Mädchen und Frauen aktive Hilfe anzubieten. Was damals in einem Wohnwagen begann, ist mittlerweile fest auf der Theresienwiese etabliert und wurde 2010 mit dem Anita-Augspurg-Preis zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen ausgezeichnet.

Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen 2016

Auch bei der Wiesn 2016 wurde der männerfreie Security-Point von zahlreichen Mädchen und Frauen in Anspruch genommen. Während des 17 Tage andauernden Volksfestes haben sich 216 Besucherinnen verschiedenster Nationen an die Fachberaterinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen vor Ort gewandt. Die wenigsten Frauen und Mädchen waren jedoch Opfer sexueller oder anderer körperlicher Gewalt. Viele Besucherinnen wandten sich an den Security-Point, weil sie ihre Gruppe, ihr Handy und/oder ihr Portemonnaie verloren hatten und plötzlich alleine dastanden. Auch Mädchen, die unter Alkoholeinfluss standen oder sich aus anderen Gründen unwohl fühlten, konnten hier Schutz und Hilfe bekommen. „Viele Unglücke passieren auf dem Heimweg“ – so Anja Bawidamann, Sozialpädagogin bei AMYNA e.V. – „Uns ist es wichtig, dass sich Mädchen und Frauen sicher fühlen und sich z.B. nicht nachts alleine auf den Weg machen müssen. Wir probieren daher, Freunde oder Bekannten zu erreichen, die die Klientinnen bei uns oder an einem Treffpunkt abholen. Sollte dies nicht gelingen, ermöglichen wir ihnen auch eine Taxifahrt oder bringen sie persönlich nach Hause oder in ihr Hotel.“

Prävention und Sensibilisierung

Auch vor ihrem Wiesn-Besuch erhalten Frauen und Mädchen über Plakate, Flyer sowie die Webseite und sozialen Netzwerke der Aktion in bis zu zehn Sprachen nützliche Sicherheitstipps: „Wir empfehlen zum Beispiel, vor dem Wiesn-Besuch einen Treffpunkt mit Freunden auszumachen und wichtige Gegenstände (Geld, Handy, Schlüssel bzw. Hoteladresse) immer am Körper zu tragen“ – so Bawidamann.

Zusätzlich zur Werbung vor Ort gibt es auch eine Pausenhofaktion, bei der rund 5.500 Schülerinnen und Schüler im Landkreis München auf die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ aufmerksam gemacht und für das Thema „sexuelle Gewalt bei Veranstaltungen“ sensibilisiert werden.

Fazit

Fachplaner und Experte für Besuchersicherheit Olaf Jastrob, der sich bereits vor Wiesn-Beginn im Rahmen eines Expertenaustausches mit den Mitarbeiterinnen der Aktion unterhalten hat, fasst zusammen: „Durch ihre Präventionskampagimg_4621nen und den Security-Point vor Ort, trägt die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ zu einem nicht unerheblichen Teil zur Besuchersicherheit während des Münchener Oktoberfestes bei. Damit ist diese Aktion in meinen Augen ein gutes Vorbild für Betreiber und Veranstalter von Volksfesten und Großevents, denen die Sicherheit ihrer (weiblichen) Besucher am Herzen liegt!“ Sie möchten mehr Informationen zur Besuchersicherheit bei Veranstaltungen jeder Art und Größe, dann besuchen Sie uns auf www.jastrob.de!

Sicherheitsexperte Olaf Jastrob und Autorin Jana Domrose  (M.Sc. Psychologie)

Keine Kommentare

Terroranschlag oder Amoklauf bei Veranstaltungen: Was Besucher tun können, um sich sicher zu fühlen.

Die Ereignisse der letzten Wochen zeigen, dass sowohl  ein Terroranschlag als auch ein Amoklauf zu den Risiken eines Veranstaltungsbesuches zählen, wenn auch zu den weniger wahrscheinlichen. Jedoch sind Angst und ein vollkommener Rückzug aus dem öffentlichen Leben keine sinnvollen Reaktionen auf Anschläge wie in Nizza, München oder Ansbach. Stattdessen sollten wir uns mit den Themen „Terror“ und „Amok“ bewusst auseinandersetzen und uns vor Augen führen, dass auch wir als Veranstaltungsbesucher etwas zur Sicherheit eines Events beitragen können. Das Expertenteam des Technischen Sachverständigenbüros Jastrob gibt hierzu grundlegende Hinweise:

Verhaltenstipps für Veranstaltungsbesucher

Der  wichtigste Verhaltenshinweis für Besucher ist grundsätzlich, sowohl vor als auch während einer Veranstaltung aufmerksam zu bleiben und sich im Zweifelsfall an das zuständige Sicherheitspersonal zu wenden. Wenn zum Beispiel alle Besucher die sozialen Medien im Auge behalten und mögliche Terror- oder Amokhinweise direkt melden, kann dies den Verantwortlichen schon wichtige Hinweise liefern, auch weit im Vorfeld einer Veranstaltung. Während der Veranstaltung sollte das Sicherheitspersonal direkt über ungewöhnliches Verhalten oder einen Waffenbesitz anderer Besucher informiert werden. Hierbei gilt grundsätzlich, sich lieber einmal zu viel an die Ordner oder Security-Mitarbeiter zu wenden, als einmal zu wenig!

Zudem sollte sich jeder Besucher direkt bei Ankunft auf dem Veranstaltungsgelände einen Überblick über das Gelände, die vorhandene Infrastruktur (Geschäfte, sanitäre Anlagen, Produktionsbüro, Standort Erste Hilfe, etc.) sowie Flucht- und Rettungswege verschaffen. Übersichtspläne und Notausgangsschilder sind hierbei eine wichtige Orientierungshilfe und erleichtern im Notfall die Flucht. Besucht man die Veranstaltung zusammen mit Freunden oder der Familie, empfiehlt es sich zudem, für einen Notfall einen Treffpunkt außerhalb des Veranstaltungsgeländes zu vereinbaren. Hierdurch kann vermieden werden, dass die Räumung des Geländes durch die Suche nach Angehörigen behindert bzw. verlangsamt wird.

Zu guter Letzt gilt es, die Personenkontrollen an den Eingängen als absolute Notwendigkeit zu betrachten und für längere Wartezeiten Verständnis zu haben. Je gründlicher diese Kontrollen durchgeführt werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein möglicher Störer entdeckt und sein Vorhaben verhindert wird.

Nicht jeder Störer plant einen Terroranschlag

Übrigens „ein Störer“ muss nicht immer ein Terrorverdächtiger sein. Es gibt auch gewaltbereite Besucher, die lediglich daran Interesse haben, Unruhe zu stiften (z.B. beim Fußball, G7-Gipfel, einer Hauptversammlung, etc.). Manch ein Besucher möchte aber auch einfach nur Alkohol, Drogen oder andere Gegenstände auf ein Veranstaltungsgelände schmuggeln. Dies ist natürlich weder sinnvoll noch angebracht und teilweise sogar illegal, aber es kommt regelmäßig vor. Solange es Menschen gibt, wird es auch (kriminelle) Störer geben, jedoch handelt es sich dabei natürlich nicht immer gleich um Terroristen oder Amokläufer. Ebenso muss eine abgestellte Tasche nicht gleich eine getarnte Bombe sein.

Wichtig ist es daher, auf ungewöhnliche Situationen angemessen und ruhig zu reagieren. Je nach Situation und Verfügbarkeit sollten Besucher folgende Verantwortliche über ihre Beobachtungen informieren: Betreiber, Veranstalter, Veranstaltungsleiter, Projektleiter, Objektleiter, Bühnen- oder Studiofachkräfte, Ordnungsdienst, Security, Werkschutz, Brandsicherheitswachen bzw. direkt die Feuerwehr oder die Polizei, sofern diese vor Ort sind.  Da sich die Betreiber und Veranstalter einer Versammlungsstätte bzw. von Veranstaltungsstätten und Produktionsstätten um die Sicherheit bei Veranstaltungen und um eine geeignete und wirksame Organisation zu kümmern haben, werden Informationen seitens der Besucher in der Regel direkt an die jeweils verantwortliche Instanz weitergeleitet.

Außerhalb eines Veranstaltungsgeländes sind im Zweifel jedoch die Polizei und die Feuerwehr die ersten Ansprechpartner.

Wenn doch mal etwas passiert

Kommt es während eines Events doch einmal zu einem Zwischenfall, sollte auf Handlungsaufforderungen des Haus- und Sicherheitspersonals geachtet werden. Oftmals gibt es bei Amokläufen und Terroranschlägen keine Lautsprecherdurchsagen, da diese den Störern wichtige strategische Hinweise geben könnten. Da das Sicherheitspersonal jedoch zumeist über den Aufenthaltsort des Störers informiert ist, kann dieses einschätzen, ob die umstehenden Besucher das Gelände verlassen oder besser Deckung suchen sollten.

Wird man von der Fluchtbewegung einer größeren Menschenmenge mitgerissen, sollte man vor allem probieren, sicher auf den Beinen zu bleiben und hierbei, wenn möglich, auch Schwächeren (Kindern, Verletzten, etc.) zu helfen. Bei sehr hohen Personendichten und einer Menschenmenge, die bereits in Panikbereitschaft ist, empfiehlt sich jedoch nicht, Gefallenen im Alleingang aufzuhelfen. Hierbei riskiert man oftmals, selbst umgestoßen zu werden und schlimmstenfalls nicht wieder auf die Beine zu kommen. Wenn es die Situation zulässt, kann man einen Gefallenen jedoch mit mehreren anderen Personen abschirmen und diesem gemeinsam helfen.

Terroranschläge und Amokläufe bleiben eher unwahrscheinlich

Abschließend gilt es jedoch zu beachten, dass die Wahrscheinlichkeit eines Amoklaufs oder eines Terroranschlags im Vergleich zu anderen Veranstaltungsrisiken (Brand, Unwetter, menschliches oder technisches Versagen, Organisationsmängel, etc.) immer noch gering ist, auch wenn die mediale Präsenz im Augenblick übermächtig erscheint. Bei konkreten Warnungen kann sich dies jedoch gravierend ändern, sodass eine erhöhte Aufmerksamkeit aller Besucher die Veranstaltungssicherheit positiv beeinflussen kann. Eine Kultur der Angst bzw. eine Kultur des „Sich-Versteckens“ tragen nach unserer Auffassung hingegen nicht zu einer Verbesserung der aktuellen Gefährdungslage bei.

Bei Fragen zu den Themen Veranstaltungs- und Besuchersicherheit wenden Sie sich gerne an den Sicherheitsexperten Olaf Jastrob oder besuchen Sie unsere Website www.jastrob.de.

Keine Kommentare

Die Besuchersicherheit bei Veranstaltungen ist unerlässlich: Wie können wir sie heutzutage noch gewährleisten?

Einer der führenden Experten für Veranstaltungssicherheit und Besuchersicherheit, Herr Olaf Jastrob, beantwortet die derzeit häufigsten Fragen im Veranstaltungssektor.

Können wir heutzutage noch sichere Events erwarten?

„Die Antwort lautet „Jein“. Grundsätzlich gibt es in keinem Sektor eine 100%-ige Sicherheit und somit auch nicht in der Veranstaltungsbranche. Ein professioneller und sachlicher Umgang mit dem Thema Besuchersicherheit ist jedoch unerlässlich und der beste Lösungsansatz zur Verminderung von Risiken und Gefährdungen aller Art.“

Wie genau können wir uns vor Gefährdungen durch z.B. terroristische Attentate, Bombendrohungen, Unwetter sowie technisches oder menschliches Versagen schützen?

„Die Grundsicherheit und Resilienz, also die Widerstandsfähigkeit einer Veranstaltung ist ein entscheidender Faktor. Es ist nicht ratsam, als Reaktion auf aktuelle und vergangene Ereignisse in einen wilden Aktionismus zu verfallen und dadurch die Übersicht über Gefahrenquellen und Sicherheitsmaßnahmen zu verlieren. Auch eine Kultur der Angst wird nicht zur Optimierung der Besuchersicherheit oder eben der Veranstaltungssicherheit beitragen. Die 100%-ig sichere Veranstaltung gibt es nicht. Risiken gehören zu unserem alltäglichen Leben dazu. Wir haben jedoch durchaus Einfluss darauf, wie viel Unsicherheit wir zulassen möchten oder wie hoch die Risiken sind, die wir tragen möchten – zumindest ungefähr.“

Wie können Lösungen konkret aussehen?

„Einer der wichtigsten Lösungsansätze liegt in der weiteren Professionalisierung der Branche. Die von mir geprägte „übergeordnete Sicherheit“ muss in all ihren Bestandteilen betrachtet werden. Das heißt, dass die Besuchersicherheit, Mitarbeitersicherheit und öffentliche Sicherheit miteinander vereint und eine solide Grundsicherheit geschaffen werden muss. Themen wie Evakuierung, Brandschutz, Arbeitssicherheit, technische Sicherheit, Ordnungsdienst, Security, Anlagen- und Betriebssicherheit müssen als Bestandteile dieser „übergeordneten Sicherheit“ betrachtet werden. Unter Berücksichtigung der individuellen Anlässe und Erfordernisse der jeweiligen Veranstaltung ist dann eine fach- und sachgerechte Gefährdungs- bzw. Risikoanalyse durchzuführen. Dies ist jedoch keine Tätigkeit für Laien. Fundierte Kenntnisse in Theorie und Praxis, auch fachübergreifend, sind dabei sehr wichtig. Daran hapert es meiner Einschätzung nach zurzeit ein wenig in Deutschland.

Oft wird die Schulung von Mitarbeitern, je nach Funktion und Notwendigkeit, noch viel zu wenig betrachtet. Mitunter werden sogar Schulungen, die vielfach gesetzlich vorgeschrieben sind, nicht durchgeführt. Leider müssen wir das tagtäglich in unseren Projekten feststellen.

Je besser es uns jedoch gelingt, allein die gesetzlich erforderlichen Punkte umzusetzen, je vorausschauender wir planen, je konkreter wir die „übergeordnete Sicherheit“ betrachten, desto besser und stabiler wird unsere Grundsicherheit werden. Denn eines ist sicher: Je besser die technische, bauliche und organisatorische Grundsicherheit, desto höher ist auch die Resilienz der jeweiligen Veranstaltung. Resilienz ist damit einer der möglichen Lösungsansätze. Die 100%-ig sichere Veranstaltung bleibt jedoch die Veranstaltung, die nicht stattfindet. Wie so oft in unserem Leben, müssen wir uns bewusst werden, dass es diese Sicherheit nicht gibt. Lassen Sie uns dennoch bewusst und verantwortungsvoll mit diesem Thema umgehen.“

Können wir auf alle Gefährdungen vorbereitet sein?

„Nein. Es ist nicht sinnvoll, jedes  Fahrradrennen oder jeden Marathon, jedes Feuerwerk, jede Hauptversammlung, jede Betriebsversammlung, jedes Volksfest zu 100% absichern zu wollen. Es ist nicht machbar und nicht zumutbar, dies zu erwarten.“

Sind wir dadurch im Grunde genommen hilflos?

„Nein! Wir können nicht alles vorhersehen und auch nicht alle erforderlichen Lösungen vorwegnehmen. Aber wir müssen auch nicht warten, bis etwas passiert, um dann festzustellen, dass es erhebliche Mängel gab. Es gibt immer irgendwo einen Mangel. Niemand ist perfekt. Aber nicht „Angst“ oder „Aktionismus“  sollte unser Handeln prägen, sondern ein professioneller Umgang mit dem Thema Sicherheit. Dazu gehört in erster Linie eine Analyse der eigenen Organisationsstruktur. Im Rahmen einer SWOT-Analyse o.Ä. können vorhandene Stärken festgestellt werden, aber auch Handlungsbedarf kann identifiziert werden. So fällt es leichter, Prioritäten festzulegen und entsprechende Budgets zur Verfügung zu stellen. Handlungsbedarf sehen wir z.B. im  Bereich der Erstellung und Validierung von Sicherheits-, Brandschutz- und Räumungskonzepten, in der Festlegung geeigneter Organisationsstrukturen (inkl. Delegation von Pflichten und Verantwortung) und der Schulung von Mitarbeitern.“

Sie haben noch Fragen? Dann kontaktieren Sie Fachplaner und Sicherheitsexperten Olaf Jastrob.

Firmenkontakt

Technische Unternehmensberatung Jastrob Ltd. & Co.KG
Olaf Jastrob
Blumenstraße 31
52511 Geilenkirchen
Tel.: + 49 (0)2271-83763-0 | Fax: + 49 (0)2271-83763-2
E-Mail: service@jastrob.de  | Web: www.jastrob.de

1 Kommentar

Event-Empfehlung: Deutscher Arbeitsschutz-Kongress

Gerne möchten wir unsere Leser  auf den Deutschen Arbeitsschutz-Kongress der WEKA-Akademie vom 20.-21.09.2016 in Bad Nauheim aufmerksam machen.

Um das Thema  Arbeitssicherheit kommt heutzutage kein Unternehmen mehr herum. Im Fokus der zweitägigen Veranstaltung liegen daher aktuelle Problemstellungen, konkrete Handlungsanweisungen und Lösungsansätze für die betriebliche Sicherheit und Gesundheit.

Je nach persönlichen Tätigkeitsschwerpunkten können die Teilnehmer an folgenden Fachforen teilnehmen:

  1. Arbeitsschutz
  2. Betriebliches Gesundheitsmanagement
  3. Brandschutz
  4. Explosionsschutz
  5. Gefahrstoffe

Namhafte Referenten und Experten aus Industrie, Wirtschaft, Behörden und Beratung stehen für die fachliche Expertise der Veranstaltung. Auch Olaf Jastrob – Fachplaner und Sachverständiger für sichere Veranstaltungen – wird dieses Jahr als Speaker mit dabei sein und einer der beiden Eröffnungsvorträge halten zu dem Thema:

 Wer trägt eigentlich die Verantwortung bei einer Veranstaltung?

  • Schutzziele in Versammlungsstätten für Personen
  • Veranstaltungsleitung, Kontrolle und Aufsicht gemäß MVStättVO und DGUV-Vorschriften
  • Verantwortung, Pflichten und Aufgaben bei einer Veranstaltung (Delegation von Verantwortung und Pflichten)
  • Basis-Organigramm gemäß Betriebsvorschriften/Betreiberpflichten der MVStättVO 2014 sowie DGUV Vorschrift 1 und 17
  • Übersicht sicherheitsrelevanter Positionen in Versammlungsstätten

Persönlich empfehlen wir die Teilnahme an dem Kongress jedem, der auf dem Gebiet der Arbeitssicherheit Verantwortungen trägt.

Mehr Informationen zu den verschiedenen Themen und Referenten, sowie zur Anmeldung zum Deutschen Arbeitsschutz-Kongress der WEKA-Akademie finden Sie unter http://www.deutscher-arbeitsschutz-kongress.de/.

Keine Kommentare

PERSONEN-EINGANGSKONTROLLEN: DER SCHLÜSSEL ZUR EVENT-SICHERHEIT?

Messer, Schlagringe, Scheren und Glasflaschen, dies alles sind Beispiele für Gegenstände, deren Mitnahme auf Veranstaltungs- bzw. Festivalgeländen normalerweise verboten ist. Bei den meisten Events werden darum heutzutage an den Eingängen Leibesvisitationen und Taschenkontrollen durchgeführt. Doch wie effektiv sind diese Kontrollen für die Gewährleistung der Veranstaltungs- und Besuchersicherheit?

Probleme bei der Personen- und Taschenkontrolle

Für Personen- und Eingangskontrollen gibt es mittlerweile eine Vielzahl elektronischer Hilfsmittel wie Hand-Metalldetektoren, Durchgangsdetektoren und Röntgengeräte für Taschen, die jedoch alle auf ihre eigene Art und Weise zu überlisten sind. Dies liegt zum Teil auch an ungeschultem Personal, welches mit den Schwachstellen des jeweiligen Hilfsmittels zumeist nicht ausreichend vertraut ist. Bei verschiedenen Qualitätsaudits konnten wir damit umfangreiche Erfahrungen sammeln, nicht nur bei Festivals, sondern zum Beispiel auch bei Aktionärs-Hauptversammlungen.

Weiterlesen

Keine Kommentare