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Großeinsatz: Brand im Hotel

Räumung und Evakuierung in der Realität – Ein Erfahrungsbericht von Jana Domrose, wissenschaftliche Mitarbeitern beim Technischen Sachverständigenbüro Jastrob

Ein Brand in einem Hotel, Menschen laufen auf die Straße, teilweise nur in ihren Schlafanzügen. Solche und ähnliche Notfallszenarien sieht man hin und wieder in den Nachrichten, aber selbst kann einem so etwas doch eigentlich nicht passieren – denkt man zumindest. Die Autorin wurde Ende Mai während einer geschäftlichen Reise eines Besseren belehrt und berichtet in dem vorliegenden Artikel über ihre Beobachtungen und Erfahrungen.

Die ersten Minuten nach dem Alarm

 Es ist ein Abend in einem Hotel, kurz nach 22 Uhr. Die meisten Gäste (inkl. der Autorin) befinden sich bereits auf dem Weg ins Bett. Plötzlich ertönt das typische, durchdringende Signal der Feuersirene. Übung oder Ernst? Das ist wohl die erste Frage, die man sich in solch einer Situation stellt. Man schaut auf den Flur, sieht viele ratlos dreinblickende Gesichter. Aufgrund des bereits gut wahrnehmbaren Rauchgeruchs auf dem Flur wird jedoch schnell klar: Das ist keine Übung! Von untern ertönt bereits das Schreien der Rezeptionistin (glücklicherweise ist es ein sehr kleines Hotel) „Alle raus! Sofort raus!“ Daraufhin ziehen sich die meisten Gesichter unter Stöhnen wieder zurück, denn in Unterwäsche wollen trotz milder Temperaturen nur wenige Gäste ihr Zimmer verlassen. Die bereits angezogenen Gäste verlassen das Gebäude zugig aber geordnet.

Draußen auf dem Sammelplatz sieht man, dass bereits Flammen aus dem Dachstuhl des Hotels schlagen. Mit Entsetzen muss die Autorin beobachten, dass im obersten Stockwerk noch Gäste am Fenster stehen und seelenruhig ihre Tasche packen, obwohl der Brand nur wenige Meter entfernt immer stärker wütet. Erst nach lautem Rufen der draußen stehenden Hotelgäste „Kommen Sie da sofort raus!“ wird der Ernst der Lage erkannt.

Das Eintreffen der Rettungskräfte

OrgL und LNA im Einsatz, – ©Olaf Jastrob

Nur wenige Minuten nach der Räumung ertönt bereits die Sirene der Feuerwehr, die sich zusammen mit der Polizei und Krankenwagen einen Weg zum Hotelkomplex bahnt. Dort angekommen wird erst einmal sortiert. „Sind Sie Hotelgäste? Darüber!“. Gar keine so einfache Aufgabe, da einige der Gäste mehrmals versuchen in das brennende Hotel zu gelangen, um persönliches Gepäck zu retten. Andere Gäste wiederum kümmern sich zunächst einmal um ihre Autos, die rund um das brennende Hotel geparkt sind. Aber wohin damit, wenn alle Zufahrten bereits durch Einsatzfahrzeuge blockiert sind? Dann muss man wohl doch aussteigen und den rufenden und winkenden Männern mit Hut Folge leisten.

Nachdem die meisten Gäste nach langem hin und her zusammengetrommelt wurden (der Sammelplatz musste in der Zwischenzeit drei Mal verlagert werden, da die Gäste durch den drehenden Wind immer wieder im Rauch standen), wird vom Organisatorischen Leiter (OrgL)  des Rettungsdienstes die Gästeliste verlesen. Jeder, der sich noch melden und laufen kann, bekommt zudem eine Markierung auf die Hand. „So sehen die Sanitäter, dass Sie keine akute Behandlung benötigen“, wird uns erklärt. Glücklicherweise werden „nur“ drei Personen, worunter ein Säugling, vorsichtshalber ins Krankenhaus gebracht. Doch wo wir jetzt sind, können wir nicht bleiben, denn die Rauchentwicklung ist trotz intensiver Löscharbeiten der Feuerwehr sehr stark und die Lichtverhältnisse eher schlecht.

Auf dem Behandlungsplatz

Kurzerhand wird daher ein nahegelegener Parkplatz eines großen Supermarktes als Behandlungsplatz ausgewählt. Dort angekommen muss zunächst jeder Hotelgast seinen Namen und Geburtsdatum auf ein Blatt Papier schreiben. Uns wird eingeschärft, keinesfalls den Parkplatz eigenständig zu verlassen. Einige Gäste protestieren, denn viele würden sich bei der nahegelegenen Tankstelle auf den Schreck gerne einen Kaffee oder ein anderes Getränk gönnen.

Nach und nach treffen immer mehr Sanitätsfahrzeuge ein, nicht nur vom DRK, sondern auch von der DLRG (später erfährt die Autorin, dass insgesamt 125 Rettungskräfte vor Ort waren!). Ruckzuck werden Bierzeltgarnituren für uns aufgebaut und Decken gegen die Kälte verteilt, denn viele Gäste sind ja noch im Schlafanzug. Aus einem Gespräch zweier Rettungskräfte erfährt die Autorin, dass  der Krisenstab außerordentlich froh über die milden und trockenen Wetterbedingungen ist, da es sonst „echte organisatorische Probleme gegeben hätte.“

Jetzt heißt es aber erst einmal warten, warten, warten. In der Zwischenzeit hat sich der gesamte Parkplatz mit verschiedensten großen und kleinen Einsatzfahrzeugen gefüllt. Einige Sanitäter beginnen ein Zelt für die Erstversorgung von Mitarbeitern der Feuerwehr zu errichten (diese scheinen mehr Schaden genommen zu haben als die Hotelgäste!), andere verteilen Getränke und später sogar Gesellschaftsspiele.

Trotz der insgesamt relativ optimistischen Stimmung hört man hier und da aber immer wieder Hotelgäste, die sich mürrisch und mit „ganz wichtigen“ Fragen an den OrgL wenden: „Wie komme ich denn jetzt an meine Klamotten? Ich habe morgen einen wichtigen Termin, da kann ich nicht im Schlafanzug erscheinen!“ Die kurze und knappe Antwort: „Ihre Klamotten sind uns im Augenblick sch….egal!“

Die Umverteilung

Zwischenzeitlich kümmern sich weitere Mitarbeiter des Krisenstabs um die Organisation von Schlafplätzen für die Gäste. Ganz geordnet werden wir grüppchenweise aufgerufen und in eines der umliegenden Hotels gebracht. Die Wirtin des Ersatzhotels der Autorin erzählt bei der Ankunft, dass sie den nächtlichen Anruf des Krisenstabs zunächst für einen schlechten Scherz gehalten und beinahe wieder aufgelegt hätte.

Fazit

Autorin: Jana Domrose, M.Sc. Psychologie

Für die Autorin – die sich beruflich mit u.a. menschlichem Verhalten in Notfallsituationen beschäftigt – war es interessant zu erfahren, dass viele der theoretischen Verhaltensmuster auch tatsächlich in der Praxis zu beobachten waren. Besonders auffällig hierbei waren die zum Teil stark verzögerten Reaktionen auf den Feueralarm sowie das dringende Bedürfnis einiger Personen, das brennende Gebäude trotz starker Rauchentwicklung zu betreten, nur um persönliche Gegenstände in Sicherheit zu bringen.

Dennoch muss festgehalten werden, dass die Rettungskräfte die Lage trotz der leicht chaotischen Situation und den problematischen Verhaltensweisen einiger Gäste gut im Griff hatten. Allen, zum Teil ehrenamtlichen Rettungskräften, die sich für uns die Nacht um die Ohren geschlagen und uns in dieser unangenehmen Situation bestmöglich versorgt haben, gilt es hierbei einen großen Dank auszusprechen!

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