Beiträge mit Tag ‘Terror’

Drohnen-Abwehrtechnologie für Unternehmen und Events

 

Gefahr erkannt, Gefahr noch nicht gebannt

Mit einer Drohne kann jeder zum Piloten werden und neue Gebiete erkunden. Doch dieser Spaß birgt leider auch Risiken, denn schnell wird das „Hobbygerät“ eine Gefahr für den Land- und Luftraum. Flughäfen, Unternehmen aber auch Stadien und Veranstalter möchten daher aufrüsten und in den Markt der Abwehr von kommerziellen Drohnen einsteigen. Die Deutsche Telekom zum Beispiel arbeitet seit 2016 mit Dedrone zusammen und konnte bereits zahlreiche  Kunden mit der Technologie ausstatten. Doch wie effektiv  können Drohnen mit diesen und ähnlichen Technologien tatsächlich abgewehrt werden? Diese Frage möchten wir im vorliegenden Artikel näher betrachten.

Von welcher Art von Drohnen geht eine Gefahr aus?

Es sind weniger die militärischen Drohnen, über die wir uns Gedanken machen müssen, denn die werden im Regelfall nur von der Regierung eingesetzt. Gefahren gehen vielmehr von kommerziellen Drohnen aus, wie von DJI (Marktführer), 3D Robotics, Yuneec oder Parrot, um nur die bekanntesten fliegenden Roboter zu nennen. Von denen sind hauptsächlich jene Modelle beliebt, die auch kleinere Lasten tragen können. Diese Drohnen sind meistens schon ab 400 Euro in jedem Elektronikladen oder Versandhandelsunternehmen erhältlich und damit für Jedermann zugänglich – unabhängig von dessen Intention und Gesinnung.

Welche Gefahren existieren in der Realität?

Von Autounfällen durch Ablenkung des Fahrers bis hin zur Erzeugung von Massenpanik in Stadien oder bei (Groß-)Veranstaltungen ist vieles möglich. Eingeflogene Drohnen, die „nur“ eine Tüte Mehl platzen lassen, können den Anschein eines chemischen Anschlags erwecken, aber auch echter Sprengstoff kann auf diesem Wege gezielt platziert werden. Terror-Anschläge, Unfälle, aber auch die Unwissenheit und Unerfahrenheit mancher Piloten sind Risiken der Drohnentechnologie, die nicht nur in der Theorie, sondern tatsächlich bereits in Deutschland oder anderen Ländern zu Notfällen oder Katastrophen geführt haben.

Viel diskutiert werden auch Beinah-Zusammenstöße mit Flugzeugen in Flughafennähe, auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines größeren Schadens eher als gering einzustufen ist. Gefährdet sind allerdings auch kritische Infrastrukturen wie Chemieanlagen oder Kernkraftwerke und das nicht nur, weil eine Abstürzende Drohne eine Explosion auslösen kann. Allein der finanzielle Schaden, der beim Herunterfahren  eines Kraftwerks oder einer Produktionsanlage aus protokollarischen Gründen entsteht, ist enorm und daher bei Unternehmen aus dieser Branche gefürchtet.

Industriespionage mittels Drohnen, z.B. durch Abfotografieren von Anlagen, Prototypen, etc., ist ebenfalls ein reelles (wenn auch nicht lebensbedrohliches) Problem, ebenso wie die Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Privatpersonen.

Wie können Unternehmen und Veranstalter gegen Drohnen vorgehen?

Ein Drohnenabwehrsystem ist mit einer Einbruchs-Alarmanlage vergleichbar, nur dass es vor Eindringlingen aus der Luft warnt. Unterschieden werden kann hier zwischen der Erkennung (Detection) und der Abwehr (Protection) von Drohnen. Die Erkennung geschieht meist über die Auswertung von Audio-, Video- und Funksignale, ähnlich wie bei einer Einbrecher-Alarmanlage, die auf Sensorsignalen an Türen und Fenstern reagiert.  Für die Abwehr lassen sich die Hersteller von Drohnenabwehr-Techniken einiges einfallen. Von Gegen-Drohnen mit Fangnetzen, über abgerichtete Greifvögel bis hin zur Laserkanone oder Funkstörsysteme (sog. Jammer) ist hier einiges möglich. Die bekanntesten Abwehrsysteme sehen wie folgt aus:

Abfangnetze:

Methodik: Bei erfolgreicher Erkennung der Drohne starten Piloten ihre eigene Drohne und versuchen, die Gefahrendrohne mit einem Netz einzufangen.

Nachteil: Der Erfolg dieser Methode ist stark von der Fähigkeit des Piloten abhängt. Zudem kann dieser nicht mehrere Drohnen gleichzeitig einfangen und auch immer nur jene, die sich in unmittelbarer Nähe des Piloten befinden. Eine  gute Sicht ist ebenfalls Voraussetzung, sodass diese Methode beispielsweise nachts nur schwer anwendbar ist. Zusammengefasst sind Abfangnetze daher als teuer und schlecht skalierbar einzustufen.

Greifvögel:

Methodik: Die Greifvögel werden darauf trainiert, Drohnen zu packen und auf den Boden zu drücken.

Nachteil: Diese Methode ist sehr kostenintensiv und – wie bei den Netzen – kaum skalierbar. Auch die Effektivität bei schlechter Sicht ist sehr eingeschränkt.

Laserkanone:

Methodik: Die Laserkanone kann die Drohne automatisiert mit einem Laserstrahl anbrennen und abstürzen lassen.

Nachteil: Diese Methode ist sehr kostenintensiv und derzeit noch nicht auf dem Markt verfügbar.

Funkstörsysteme (Jammer):

Methodik: Das System sendet ein stärkeres 2,4 GHz Funksignal und/oder ein GPS Störsignal, um die Fernsteuerung des Piloten zu stören.

Nachteil: Der Einsatz von Störsendern ist weltweit rechtlich nicht zulässig. Ausnahmen bestehen lediglich für die Polizei oder ähnliche Organe und selbst diese können Störsender nur in einem sehr begrenzten Rahmen verwenden.

Hinzu kommt, dass Störsender keine Drohnen behindern können, die völlig autark (ohne GPS oder 2,4 GHz Funk) ihr Ziel finden, sondern beispielweise mittels einer autonomen Videobilderkennung. Diese Technik ist zwar (noch) sehr selten und fortschrittlich, ausgeschlossen werden kann sie aber  nicht.  99% der Drohnen werden jedoch über das WLAN Signal 2.4 GHz Band gesteuert, entweder über ein Smartphone oder über eine eigene Fernsteuerung in diesem Netz.

Fazit

Solange sich die rechtliche Situation für die Nutzung von Störsendern und den Eingriff in den Luftraum nicht ändert, können Unternehmen, Betreiber und Veranstalter zwar Drohnen erkennen, aber noch wenig dagegen ausrichten.

In vielen Fällen reicht jedoch die Erkennung einer Drohne schon aus, um diese effektiv über den Landweg abzuwehren oder entsprechende Schutzmaßnahmen für z.B. Personen und empfindliche Daten einzuleiten. Deshalb gilt nach wie vor die Empfehlung für Unternehmen und andere kritische Infrastrukturen wie (Groß-)Veranstaltungen: Wer eine Drohne erkennen kann, ist schon mal klar Vorteil. Denn nur so können organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, um die Sicherheit aller Betroffenen zu gewährleisten.

Autoren

Dr. Wie Ding & Andrew Han  | AntiDrones.com e.K.

Poststr. 2-4 | D-60329 Frankfurt

Web: www.antidrones.com

Olaf Jastrob | Technische Unternehmensberatung Jastrob Ltd. & Co. KG

Blumenstraße 31 | D-52511 Geilenkirchen

Web: www.jastrob.de

 

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Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt und bei Events

Gehört diese nach den aktuellen Anschlägen der Vergangenheit an? 

Bevor ich mich zu diesem Thema äußere, möchte ich zunächst einmal den Opfern des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt und deren Familien, Angehörigen und Freunden mein aufrichtiges Beileid aussprechen! Auch wenn es sich hierbei ohne Zweifel um ein sehr emotionales Thema handelt, sollten wir – und insbesondere Verantwortliche aus der Veranstaltungsbranche wie Behörden, Veranstalter und Betreiber – jedoch versuchen, das aktuelle Ereignis sachlich zu bewerten und nicht in wilden Aktionismus zu verfallen. Man kann es nicht oft genug sagen:

Eine Kultur der Angst wird nicht zur Gewährleistung von Sicherheit auf Weihnachtsmärkten und anderen (Groß-)Veranstaltungen beitragen, ebenso wenig wie die Pauschalverurteilung von Randgruppen. Die absolute Sicherheit gibt es nicht und hat es auch in der Vergangenheit nie gegeben. Risiken gehören zu unserem alltäglichen Leben dazu, auch zu unserem Besuch beim Weihnachtsmarkt und unserer nächsten Silvester- oder Karnevalsfeier. Die Wahrscheinlichkeit, auf dem täglichen Weg zur Arbeit umzukommen, ist, zumindest hier in Europa, immer noch um ein Vielfaches höher, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen. Dies sollten wir auch nach den aktuellen Anschlägen nicht vergessen.

Sind wir deswegen hinsichtlich der Sicherheit von Veranstaltungen machtlos? Nein! Wir können zwar nicht alles vorhersehen, aber wir müssen auch nicht warten, bis etwas passiert, um dann festzustellen, dass es Sicherheitsmängel gab. Es gibt bei jeder Veranstaltung irgendwo einen Mangel, denn niemand ist perfekt. Aber nicht Angst oder Aktionismus sollten unser Handeln prägen, sondern ein professioneller Umgang mit dem Thema Sicherheit. Die Gewährleistung der Grundsicherheit und damit der Resilienz einer Veranstaltung ist hierbei ein entscheidender Faktor.

Nur mit einer soliden Grundsicherheit – und hierzu zähle ich die Besuchersicherheit, Mitarbeitersicherheit und öffentliche Sicherheit – können wir uns bestmöglich sowohl gegen interne als auch externe Gefährdungen schützen. Handlungsbedarf sehe ich bei meiner täglichen Arbeit zum Beispiel immer wieder im Bereich der Erstellung und Validierung von professionellen Sicherheits-, Brandschutz- und Räumungskonzepten, der Festlegung geeigneter Organisationsstrukturen sowie der Schulung von Mitarbeitern. Hierauf sollten Verantwortliche der Veranstaltungsbranche meiner Meinung nach speziell in der heutigen Zeit ihr Hauptaugenmerk richten.

Gerne stehe ich Behörden, Veranstaltern, Betreibern und Interessierten für Fragen rund um die
Veranstaltungssicherheit, Besuchersicherheit und Arbeitssicherheit zur Verfügung.

 

Ihr

Olaf Jastrob

(Sachverständiger und Fachplaner für Besuchersicherheit (FH))

 

 

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