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Notfallkommunikation bei Veranstaltungen

1 Notfälle bei Veranstaltungen

Ob Brand, Unwetter, MANV[1] oder Terrordrohung, bei Veranstaltungen kann es zu Notfällen verschiedenster Art und Intensität kommen. Grundsätzlich gilt, dass jene Situation als Notfall definiert werden kann, in der eine drohende Gefährdung für die körperliche und seelische Unversehrtheit von Menschen eintritt[i]. Weitere Merkmale wie ein Mangel an Zeit, Informationen, Material und Personal tragen dazu bei, dass Verantwortliche in Notfällen schnell und effektiv handeln müssen, um eine Eskalation der Situation zu vermeiden.

Wichtig dabei ist, dass alle Parteien schnellstmöglich über die Situation und eventuelle Handlungsmaßnahmen informiert werden. Es gilt daher einerseits eine effektive Kommunikation mit internen Verantwortlichen wie dem Veranstalter, Betreiber, Veranstaltungsleiter, Technischen Leiter und Ordnungsdienstleiter zu gewährleisten, andererseits aber auch mit externen Instanzen wie den BOS[2], das heißt mit Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst. Auch die Besucher einer Veranstaltung – die die Hauptschutzgruppe der (Muster-)Versammlungsstättenverordnung darstellen – müssen im Notfall schnellstmöglich über die Situation sowie sichere Verhaltensweisen aufgeklärt werden.

In diesem Artikel soll betrachtet werden, welche Faktoren in einem Kommunikationskonzept, als Teil eines Sicherheitskonzepts gemäß §43 MVStättVO, betrachtet werden müssen, sodass die Notfallkommunikation mit den verschiedenen Parteien einer Veranstaltung so effektiv wie möglich gestaltet werden kann. Im Vordergrund steht hierbei der Faktor Mensch sowie dessen Fühlen, Denken und Handeln in Notfallsituationen.

2 Kommunikationsgrundlagen in Notfallsituationen

Grundsätzlich gilt es bei der Notfallkommunikation zwischen der Kommunikation mit Experten und der Kommunikation mit Laien zu unterscheiden. Zu den Experten zählen in der Eventbranche im weitesten Sinne alle Personen, die mit der Veranstaltung und deren Sicherheitsorganisation vertraut sind, wie Veranstalter, Betreiber, Veranstaltungsleiter und Ordnungsdienstleiter. Auch die BOS haben einen gewissen Expertenstatus, zumindest bezüglich des Themas Notfall- und Katastrophenintervention. Hinsichtlich der Veranstaltungsorganisation und den relevanten Umgebungsfaktoren (Veranstaltungsgelände, Zufahrten, etc.) sind die Mitglieder der BOS in vielen Fällen jedoch auf mehr Informationen angewiesen als interne Verantwortliche.

Besucher wiederum müssen im direkten Vergleich zu internen Verantwortlichen und den BOS als Laien eingestuft werden, da diese  (wenn überhaupt)  nur oberflächlich mit der Veranstaltung und deren Sicherheitsvorkehrungen vertraut sind. Entsprechend benötigen Besucher andere Informationen und auch eine andere Art der Notfallkommunikation als Experten. Die genauen Unterschiede und die zielgruppenspezifische Anforderungen an Kommunikationskonzepte werden in den nächsten drei Kapiteln näher erläutert.

2.1 Interne Notfallkommunikation

Für die Kommunikation zwischen Veranstalter, Betreiber der Veranstaltungsstätte, Veranstaltungsleiter, Sicherheits- oder Ordnungsdienstleiter, technischem Personal,  aufsichtführenden Personen, Brandsicherheits- und Sanitätsdienstleitern sowie anderen internen Verantwortlichen ist die Erstellung und Einhaltung einer Informationskette bzw. -hierarchie die Basis für ein schnelles  und effektives Handeln in Notfallsituationen. Denn Undeutlichkeiten bezüglich der Zuständigkeiten sind mit einer der häufigsten Gründe für falsche oder zu späte Reaktionen bei Notfällen in Veranstaltungsstätten. Die Suche nach dem richtigen Ansprechpartner fordert einerseits kostbare Zeit, verschlechtert andererseits aber auch den Zusammenhalt innerhalb eines Teams, was sich wiederum negativ auf die interne Kommunikation auswirken kann. In vielen Fällen kann man daher beobachten, dass bei schlechter interner Zuständigkeitsregelung der Sachinhalt (z.B. „Die Notausgänge müssen jetzt geöffnet werden.“) – und damit die tatsächlich wertvolle Information – in den Hintergrund der Kommunikation tritt und stattdessen Emotionen wie Ungeduld oder sogar Wut (z.B. „Warum haben die Idioten vom Sicherheitsdienst noch nicht die Notausgänge geöffnet?“)  die Nachricht dominieren[ii].

Zudem neigen wir dazu, in Notfällen vermehrt unsere Emotionen bezüglich der Situation (z.B. „Es gibt furchtbar viele Verletzte, überall ist Blut!“) anstelle der genauen Informationen zu übermitteln („Es gibt ca. 20 Verletzte, 5 davon schwer.“)​. Dies kann die Einschätzung der Lage für interne Ersthelfer, jedoch auch für den Rettungsdienst deutlich erschweren, wodurch letztendlich Betroffene, die schnell Hilfe benötigen, nicht mit entsprechender Priorität behandelt werden[3][iii].

Die Formulierung knapper, aber präziser Informationen und Anweisungen ist daher einer der wichtigsten Herausforderungen, die im Notfall bewältigt werden müssen. Verantwortliche sollten sich dabei grundsätzlich über folgende Fragen verständigen:

  1. Was ist passiert: Diese Information sollte so deutlich wie möglich formuliert werden, auf unnötige Fremdwörter gilt es zu verzichten.
  2. Wo ist es passiert: Hierbei sollte gegebenenfalls auch auf sichere Bereiche hingewiesen werden, in die Besucher sich begeben können.
  3. Wer hat was zu tun: Im Idealfall ist dies bereits schriftlich geregelt, sollte jedoch zur Verdeutlichung noch einmal wiederholt werden.

In diesem Zusammenhang gilt es Missverständnissen und Kommunikationsfehlern entgegenzuwirken, die durch ein erhöhtes Stressniveau ausgelöst werden. Grundsätzlich empfinden wir in Notfallsituationen Stresssymptome in Form eines gesteigerten Erregungsniveau und einer Einschränkung unserer visuellen und akustischen Wahrnehmungsfähigkeit. Es empfiehlt sich daher, beim Empfang einer Nachricht das Verstandene kurz und knapp zu wiederholen (z.B. „Verstanden. Ich informiere die Besucher jetzt über den Brand.“). Sollte der Übermittler der Information oder Anweisung etwas anderes gesagt oder gemeint haben, ist eine unmittelbare Korrektur der Nachricht möglich.

Zudem empfinden wir es in Stresssituation als kognitiv entlastend uns auf Wegen zu verständigen, die uns bereits vertraut sind. Hierzu zählen unter anderem auch die Sprache und die Kommunikationsmittel. Idealerweise sollte man daher bereits im Normalfall Begrifflichkeiten definieren und nutzen, die in Notfallsituationen relevant sein können. Zusätzlich kann es nützlich sein, sogenannte Code- oder Signalwörter für Notfallsituationen festzulegen. Der Hinweis, eine Anweisung „sofort“ auszuführen, könnte beispielsweise für Situationen reserviert werden, in denen eine unmittelbare Handlung des Angesprochenen überlebenswichtig für Mitarbeiter oder Besucher ist. Auch sogenannte Notfall-Kommunikationsmittel (vgl. Kapitel 3.1) sollten regelmäßig während der alltäglichen Arbeit genutzt werden, sodass eine Nutzung in Stresssituationen ohne „großes Nachdenken“ ermöglicht wird.

Ein weiteres wichtiges Element der Notfallkommunikation liegt in der Artikulation, denn ein häufiger Fehler besteht darin, ausgerechnet die wichtigen Worte in einem Satz undeutlich auszusprechen. Auch der Tonfall ist in diesem Zusammenhang entscheidend, da dieser ein Hauptübermittler von Emotionen ist. Durch die Stimmlage kann z.B. Stress ausgedrückt, aber auch die Dringlichkeit einer Botschaft betont werden. Aus diesem Grunde sollten gerade interne Entscheidungstreffer mit gezielten Sprechtrainings auf Notfallsituationen bei Veranstaltungen vorbereitet werden.

2.2 Notfallkommunikation mit den BOS

Ursache für eine verzögerte Reaktion der BOS in Notfällen ist zumeist ein unklares Lagebild für die Einsatzkräfte. Denn die tatsächlich vorhandenen Informationen der Lage finden nicht immer direkt den Weg zu den Entscheidern und Ausführern der Feuerwehr, Polizei und des Rettungsdienstes. Ziel der Notfallkommunikation mit den BOS ist es daher, das Bild der Lage zu den Entscheidern zu bringen  und die Entscheidungen an die ausführenden Kräfte weiterzuleiten.

Im Idealfall kennen die Veranstalter und Betreiber daher bereits die jeweiligen Einsatzleiter der Feuerwehr, der Polizei und des Rettungsdienstes, sodass die  Kommunikation schnell und  effektiv abgewickelt werden kann. Die wichtigsten Informationen für die BOS, die vor der Kontaktaufnahme bestmöglich geklärt werden sollten, lauten wie folgt:

  • Besteht eine Gefährdung für die Einsatzkräfte (z.B. der „Second Hit“[4] bei Verdacht auf Terroranschlägen)?
  • Wie hoch ist die Anzahl der Betroffenen bzw. Verletzten?
  • Wie schwer sind die Verletzungen (augenscheinlich)?
  • Wie genau sieht die räumliche Situation aus? Wo befinden sich die Betroffenen und wie können diese z.B. mit den Rettungsfahrzeugen erreicht werden?

Einsatzleiter müssen also erfahren, was wo geschieht, um spezifische Entscheidungen zu treffen und diese an ausführende Instanzen (z.B. an das Ordnungsdienstpersonal, Mitarbeiter und Hilfskräfte) weitergeben zu können.

Weiterhin gilt es, bereits beim Eintreffen der Hilfskräfte der Feuerwehr, des Rettungsdienstes und der Polizei den Kontakt zwischen dem oder den Verantwortlichen der Veranstaltung (z.B. dem Veranstaltungsleiter gemäß §38 MVStättVO) und der Einsatzleitung der nichtpolizeilichen BOS (z.B. Einsatzleiter / Technische Einsatzleitung) und der Polizei (z.B. Polizeiführer, Führungsstab) herzustellen, um einerseits die Verdeutlichung des Lagebilds zu beschleunigen und andererseits die Durchführung von Maßnahmen zu vereinfachen.

2.3 Notfallkommunikation mit Besuchern

Wie bereits zu Beginn dieses Kapitels erläutert, haben Veranstaltungsbesucher aufgrund ihrer fehlenden Vertrautheit mit den genauen Gegebenheiten der Veranstaltung sowie dem Umgang mit Notfallszenarien ein besonderes Informationsbedürfnis. Der Inhalt, aber auch die Formgebung der Notfallkommunikation müssen dementsprechend an die Zielgruppe angepasst werden.

2.3.1 Inhalt von Notfallbotschaften

Wissenschaftliche Studien der Risikopsychologie konnten belegen, dass eine Notfallkommunikation mit Laien immer auf zwei Informationen eingehen muss, wenn sie ein gewünschtes Verhalten erzielen soll[iv].

Die erste Information bezieht sich auf die Art und Ernsthaftigkeit des Notfalls, das heißt: Was ist passiert, warum liegt hier eine akute Gefahr vor und inwiefern bin ich von dieser Gefahr persönlich betroffen? Besucher müssen demnach immer konkret über die folgenden Fragen aufgeklärt werden:

  • Um welche Art von Notfall handelt es sich (z.B. Brand, Explosionsgefahr, Stromausfall)?
  • Warum ist dieser Notfall ernst genug, um mich hiervon in Kenntnis zu setzen (z.B. Einsturzgefahr einer Bühne, gefährliche Rauchentwicklung)?
  • Inwiefern ist dieser Notfall für mich persönlich relevant (in manchen Fällen braucht z.B. nur ein Teil des Veranstaltungsgeländes geräumt zu werden)?

Im Idealfall ist der Empfänger einer Notfallbotschaft  nach diesen ersten Informationen aufmerksam und alarmiert. Um unerwünschtes Verhalten – zum Beispiel den Ausbruch von Panik – zu vermeiden und ein Gefühl von Sicherheit und Kontrolle zu erzeugen, muss dem Empfänger der Botschaft jetzt auch mitgeteilt werden, welche sicheren Handlungsmöglichkeiten sich für ihn ergeben, warum diese sicher und effektiv sind und wie genau diese Handlungen umzusetzen sind. Bei der Räumung oder Evakuierung einer Veranstaltungsstätte zum Beispiel müssen betroffene Personen also direkt nach Bekanntgabe des Notfalls darüber informiert werden:

  • dass sie alle bisherigen Handlungen (ggfs. konkretisieren) einstellen und den gefährdeten Bereich unmittelbar verlassen sollen,
  • über welche Notausgänge dies geschehen muss,
  • mit welchen Hilfsmitteln (z.B. Schilder, Pläne, Ordner) der nächstgelegene Notausgang gefunden werden kann,
  • welche sicheren Orte sie gegebenenfalls aufsuchen sollen (z.B. Sammelplatz).

Da Unsicherheiten und ein Gefühl von fehlender Kontrolle über die Situation Stress und irrationales Verhalten[5] auslösen können, sollte eine Notfalldurchsage vor allem ehrliche, konkrete Informationen beinhalten.  In manchen Notfällen mit hohem Panikpotential (z.B. Bombendrohungen) kann es jedoch durchaus sinnvoll sein, eine glaubwürdige Notlüge für die Räumung der Veranstaltung in der Hinterhand zu haben (z.B. Rauchentwicklung). Diese Notlüge muss jedoch ebenfalls bereits im Vorfeld gründlich ausgearbeitet und eingeübt werden.

Zusätzlich zu den inhaltlichen Informationen sollten bei der Erstellung von Notfallkommunikationskonzepten jedoch immer auch formelle Aspekte beachtet und umgesetzt werden.

2.3.2 Formgebung der Notfallkommunikation

Mit ungeschulten Veranstaltungsbesuchern sollte die Notfallkommunikation immer auf eine möglichst direkte Art stattfinden, das heißt idealerweise von Angesicht zu Angesicht. Da Notfalldurchsagen grundsätzlich eine Unsicherheit für betroffene Personen darstellen, können der direkte Kontakt zu einer menschlichen Informationsquelle und damit die Wahrnehmung von Mimik und Gestik die Einschätzung der Situation erleichtern. Der Sprecher  sollte deshalb immer sowohl Autorität als auch Ruhe verkörpern und mit großer Sorgfalt ausgewählt werden. Wenn die Art der Veranstaltungsstätte eine direkte Face-to-Face Kommunikation nicht zulässt, sollte die Ruhe und Autorität über die Stimme vermittelt werden. Ein entsprechendes Stress- und Sprechtraining für den Verantwortlichen kann in beiden Fällen unterstützend wirken.

Da die Wahrnehmungs- und Aufnahmefähigkeit von Menschen in Stresssituationen eingeschränkt ist, sollten Notfalldurchsagen zudem mehrmals wiederholt und mit Signaltönen oder -wörtern (z.B. „Achtung! Wichtige Durchsage!“) angekündigt werden. Diese Signale sollten dann ausschließlich für die Notfallkommunikation reserviert bleiben und nicht für normale Kommunikationszwecke verwendet werden. Zusätzlich ist es zu empfehlen, gesprochene Nachrichten immer auch visuell darzustellen (z.B. durch animierte Fluchtwegpläne), um die Aufnahme der Informationen auch in lauten Umgebungen bestmöglich zu gewährleisten. Gleichzeitig sollte aufgrund der begrenzten Aufnahmefähigkeit jegliche akustische oder visuelle Ablenkung durch Musik, Filme, Lichtshows, o.Ä. vermieden werden. Gegebenenfalls muss eine entsprechende technische Einrichtung zur automatischen Abschaltung von Beschallungsanlagen vorgesehen werden.

3. Technische Aspekte der Kommunikation

Eine Forderung aus dem Arbeitsschutz (§10  ArbSchG) bzw. den Unfallverhütungsvorschriften (§ 25 (1) DGUV V1) ist die sichere Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst bei Unfällen. Das heißt, dass der Betreiber oder Veranstalter als Arbeitgeber bzw. Unternehmer unter Anlegung vernünftiger Maßstäbe sicherzustellen hat, dass  bei einem Brand oder einem Personenschaden Hilfe verlässlich und rasch gerufen werden kann. Weiterhin hat der Betreiber einer Versammlungsstätte immer die sichere Räumung der Versammlungsstätte im Gefahrenfall zu gewährleisten (§42 MVStättVO), was auch eine funktionierende Koordination und Kommunikation der beteiligten Kräfte erfordert.

Verkürzt kann also gesagt werden, dass Kommunikationsmittel so gewählt und eingesetzt werden müssen, dass neben dem reibungslosen Regelbetrieb auch die interne Kommunikation und das Anfordern externer Hilfe im Störfall gewährleistet sind. Eine Abstimmung mit den Stellen der öffentlichen Gefahrenabwehr ist dabei ratsam.

3.1 Interne Kommunikation

Die technische Ausstattung muss einem Kommunikationsplan folgen, der wiederum die tatsächliche Organisation im Betrieb widerspiegelt.

Mag bei einer Kleinstveranstaltung noch der Gebrauch einiger Betriebsfunkgeräte auf einem gemeinsamen Kanal für alle Beteiligten ausreichen, entwickelt sich die Struktur des Kommunikationsplanes mit wachsender Mitwirkendenzahl. Ab einem gewissen Umfang ist es unumgänglich, einzelne Gewerke in der Kommunikation voneinander zu trennen, um Überlastung der Kanäle und Belastung der Mitarbeiter mit irrelevanten Informationen zu verhindern. Spätestens, wenn Leiter einzelner Bereiche (z.B. von Gastronomie, Ordnungsdienst, Veranstaltungstechnik und Sanitätsdienst) wiederum viele unterstellte Kräfte führen müssen, bietet sich die Schaffung eines Führungs- sowie mehrerer Abschnitts-Gesprächskreise an.

Die technische Umsetzung folgt den Anforderungen. Als derzeitigen Goldstandard, auch unter Berücksichtigung der notwendigen Betriebssicherheit, kann man digitale Bündelfunksysteme wie DMR/motoTRBO und TETRA ansehen.

Eine funktionierende interne Kommunikationsstruktur und die dazu passende, geeignete Technik ist eine unabdingbare Voraussetzung für die Zusammenarbeit bei Störfällen und damit für die rasche und entschlossene Durchführung notwendiger Maßnahmen.

3.2 Kommunikation mit Besuchern

Für den Einsatz von Durchsage- und Sprachalarmierungsanlagen existieren umfangreiche gesetzliche Vorgaben (u.a. MVStättVO) und Vorgaben hinsichtlich der Ausführung und Funktion (u.a. DIN EN 54, DIN 14675, DIN EN 60849 und VDE 0833-4).Über diese Mindestvorgaben hinaus kann man aber den Erfolg der Ansprache der Besucher – auch unter Berücksichtigung psychologischer Erkenntnisse – durch relativ einfache technische und organisatorische Maßnahmen unterstützen.

Wie bereits in Kapitel 2.3.2 erläutert ist eine gesprochene Notfalldurchsage dem „DIN-Ton“ stets vorzuziehen. Der Lage angepasste (vorbereitete) Texte, die ggfs. wahrnehmbare Ereignisse beschreiben und auf die Stimmung unter den Besuchern Rücksicht nehmen, sind die Ideallösung und vermeiden Gerüchte- und Panikentstehung. Dies setzt allerdings Übung und eine entsprechende Vorbereitung seitens der Veranstalter und Betreiber voraus.

Wie bei der internen Kommunikation gilt also auch hier: Die technische Ausführung sollte die organisatorische Vorbereitung ergänzen und widerspiegeln und nicht den notwendigen Maßnahmen bei einer eventuellen Notfallkommunikation entgegenstehen.

4 Der Einfluss von Kommunikation auf Paniken

Der Begriff der (Massen-)Panik ist aus der Presse nicht mehr wegzudenken, wird jedoch oft zu Unrecht zur Erklärung von Notfällen und Katastrophen verwendet. Auch wenn es durchaus Situationen gibt, in denen einzelne Menschen in Fluchtsituationen panisch reagieren, sind regelrechte Massenpaniken ein eher seltenes Phänomen. Um diese Aussage zu verstehen, gilt es zunächst die Merkmale einer Panik zu betrachten:

Auch wenn es keine offizielle Definition gibt, wird Panik in der wissenschaftlichen Literatur zumeist als kopfloses, egoistisches Verhalten bezeichnet, bei dem primitive Motive (d.h. das eigene Überleben) an erster Stelle stehen und kooperative Verhaltensweisen (z.B. Hilfsbereitschaft) in den Hintergrund treten. Hinzu kommt die Einschränkung  verschiedener kognitiver Funktionen, wie des menschlichen Wahrnehmungsvermögens. Verengungen des Gesichtsfelds, Tunnelblick, Einschränkung der Hörfähigkeit und Reduktion der Schmerzempfindlichkeit sind einige der Faktoren, die bei Paniken dazu beitragen, dass Menschen externe Informationen (z.B. Durchsagen) nur schwer verarbeiten bzw. sich dadurch leiten lassen können[v].

Einer der Hauptziele der Notfallplanung sollte es daher sein, den Ausbruch einer (Massen-)Panik zu verhindern. Eine gute, konstante Kommunikation mit den Besuchern zählt hierbei zu den wichtigsten Präventionsmaßnahmen, denn fehlende oder gegensätzliche Informationen – oder die die als solche wahrgenommen werden – sind einer der häufigsten Ursachen für panische Verhaltensweisen. Umgehende Gerüchte (z.B. über Bombendrohungen) sollten aus diesem Grunde stets ernstgenommen und schnellstmöglich entkräftet werden.

Die Kommunikation mit Menschenmengen, die sich bereits in Panik oder in einem Vorstadium befinden, muss aufgrund der geringen Wahrnehmungsfähigkeit besonders einfach und deutlich gestaltet werden. Im Vordergrund sollten daher knappe aber ehrliche Informationen über die Situation (vgl. Kapitel 2.3.1) stehen. Sollte es möglich sein, die Situation unter Mithilfe der Menschenmenge zu lösen, können auch einfache Handlungsanweisungen gegeben werden, wie „Alle treten jetzt drei Schritte zurück.“ Vermieden werden sollten sogenannte negative Formulierungen. Das heißt, es sollten keine Handlungsanweisungen erteilt werden hinsichtlich der Aktionen, die nicht erfolgen sollen (z.B. „Bitte geraten Sie nicht in Panik“), denn das Wort „nicht“ kann aufgrund der eingeschränkten Wahrnehmung durch Stress und Umgebungsgeräusche überhört werden. Hinzu kommt im obigen Beispiel die Nennung des Panik-Begriffs. Gerade bei Menschen, die bisher vergleichsweise ruhig geblieben sind kann dies das Gefühl auslösen, dass es tatsächlich einen Grund zur Panik geben muss, denn sonst würde der Sprecher diese nicht erwähnen. Eine Verstärkung der Panik wäre dann nicht auszuschließen.[vi]

Zu guter Letzt sollte auch in einer Paniksituation die vorhandene Information in sehr regelmäßigen Abständen wiederholt und aktualisiert werden. Die Verkündigung von (wahren!) Fortschritten in der Lösungen der Situation können ebenfalls dazu beitragen, dass Menschen ruhiger und gelassener werden und sich die Situation entspannt.

Auch wenn eine (Massen-)Panik eher selten eintritt, sind deren körperlichen und psychischen Folgen für die Beteiligten nicht zu unterschätzen. Daher ist es in jedem Falle sinnvoll, sich im Rahmen eines Notfallkonzepts auch Gedanken zu Kommunikationsstrategien in Paniksituation zu machen.

5 Fazit

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass „Kommunikation“ ein organisatorischer Faktor ist, der einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Ablauf und die Ausprägung eines Notfalls bei Veranstaltungen haben kann.   Aus diesem Grunde sollten bereits im Vorfeld einer jeden Veranstaltung Kommunikationskonzepte für Notfallsituationen entwickeln werden, mit denen die vorhandene Zeit im Ernstfall optimal genutzt werden kann. Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Psychologie sowie praktische Erfahrungen aus den letzten Jahren können Verantwortlichen dabei helfen, für ihre Veranstaltung und Zielgruppen ein passendes konzeptuelles und technisches System zu entwickeln, mit der eine effektive Kommunikation mit sowohl Mitarbeitern als auch mit externen Einsatz- und Hilfskräften sowie der Besucherschaft gewährleistet wird.

Zusätzlich zu der Entwicklung und Optimierung sollte der Fokus von Verantwortlichen auch auf der praktischen Erprobung der Kommunikationskonzepte und technischen Systeme liegen, sodass im Ernstfall ein möglichst reibungsloser und damit sicherer Ablauf gewährleistet werden kann. Unterstützung finden Veranstalter, Betreiber und Veranstaltungsleiter beispielsweise bei Sachverständigen oder Fachplaner für Veranstaltungs- und Besuchersicherheit.

Autoren: 

Jana Domrose, Tobias Zweckerl & Olaf Jastrob, Technisches Sachverständigenbüro Jastrob

Fußnoten:

[1] Kurz für Massenanfall von Verletzten

[2] Kurz für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben

[3] Vergleichbare fehlerhafte Kommunikation hat auch bei der Love Parade 2010 in Duisburg dazu geführt, dass einige schwerverletzte Personen zu spät versorgt wurden.

[4] Gezielter zweiter Anschlag, wenn Helfer am Ort des Geschehens eintreffen.

[5]Wichtig:  Das irrationale Verhalten wird in der Situation vom Betroffenen als einzig logische Handlungsmöglichkeit wahrgenommen.

Quellen:

[i] DIN 13050:2015-04 (2015). Begriffe im Rettungswesen. Beuth-Verlag.

[ii] Lasogga, F. & Gasch, B. (Eds.). (2011). Notfallpsychologie: Lehrbuch für die Praxis (S. 435-442). Heidelberg: Springer.

[iii] Helbing, D., Mukerji, P. (2012). Crowd disasters as systemic failures: Analysis of the love parade disaster. EPJ Data Science (Springer).

[iv] Kievik, M., ter Huurne, E.F.J. & Gutteling, J.M. (2012). The action suited to the word:  Use of the framework of risk information seeking to understand risk-related behaviors. Journal of Risk Research, 15(2), S. 131 – 147.

[v] Lasogga, F. & Gasch, B. (Eds.). (2011). Notfallpsychologie: Lehrbuch für die Praxis (S. 435-442). Heidelberg: Springer.

[vi] Technische Unternehmensberatung Jastrob (2015). Veranstaltungssicherheit aus psychologischer Sicht.  S. 7-10.

 

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Drohnen-Abwehrtechnologie für Unternehmen und Events

 

Gefahr erkannt, Gefahr noch nicht gebannt

Mit einer Drohne kann jeder zum Piloten werden und neue Gebiete erkunden. Doch dieser Spaß birgt leider auch Risiken, denn schnell wird das „Hobbygerät“ eine Gefahr für den Land- und Luftraum. Flughäfen, Unternehmen aber auch Stadien und Veranstalter möchten daher aufrüsten und in den Markt der Abwehr von kommerziellen Drohnen einsteigen. Die Deutsche Telekom zum Beispiel arbeitet seit 2016 mit Dedrone zusammen und konnte bereits zahlreiche  Kunden mit der Technologie ausstatten. Doch wie effektiv  können Drohnen mit diesen und ähnlichen Technologien tatsächlich abgewehrt werden? Diese Frage möchten wir im vorliegenden Artikel näher betrachten.

Von welcher Art von Drohnen geht eine Gefahr aus?

Es sind weniger die militärischen Drohnen, über die wir uns Gedanken machen müssen, denn die werden im Regelfall nur von der Regierung eingesetzt. Gefahren gehen vielmehr von kommerziellen Drohnen aus, wie von DJI (Marktführer), 3D Robotics, Yuneec oder Parrot, um nur die bekanntesten fliegenden Roboter zu nennen. Von denen sind hauptsächlich jene Modelle beliebt, die auch kleinere Lasten tragen können. Diese Drohnen sind meistens schon ab 400 Euro in jedem Elektronikladen oder Versandhandelsunternehmen erhältlich und damit für Jedermann zugänglich – unabhängig von dessen Intention und Gesinnung.

Welche Gefahren existieren in der Realität?

Von Autounfällen durch Ablenkung des Fahrers bis hin zur Erzeugung von Massenpanik in Stadien oder bei (Groß-)Veranstaltungen ist vieles möglich. Eingeflogene Drohnen, die „nur“ eine Tüte Mehl platzen lassen, können den Anschein eines chemischen Anschlags erwecken, aber auch echter Sprengstoff kann auf diesem Wege gezielt platziert werden. Terror-Anschläge, Unfälle, aber auch die Unwissenheit und Unerfahrenheit mancher Piloten sind Risiken der Drohnentechnologie, die nicht nur in der Theorie, sondern tatsächlich bereits in Deutschland oder anderen Ländern zu Notfällen oder Katastrophen geführt haben.

Viel diskutiert werden auch Beinah-Zusammenstöße mit Flugzeugen in Flughafennähe, auch wenn die Wahrscheinlichkeit eines größeren Schadens eher als gering einzustufen ist. Gefährdet sind allerdings auch kritische Infrastrukturen wie Chemieanlagen oder Kernkraftwerke und das nicht nur, weil eine Abstürzende Drohne eine Explosion auslösen kann. Allein der finanzielle Schaden, der beim Herunterfahren  eines Kraftwerks oder einer Produktionsanlage aus protokollarischen Gründen entsteht, ist enorm und daher bei Unternehmen aus dieser Branche gefürchtet.

Industriespionage mittels Drohnen, z.B. durch Abfotografieren von Anlagen, Prototypen, etc., ist ebenfalls ein reelles (wenn auch nicht lebensbedrohliches) Problem, ebenso wie die Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Privatpersonen.

Wie können Unternehmen und Veranstalter gegen Drohnen vorgehen?

Ein Drohnenabwehrsystem ist mit einer Einbruchs-Alarmanlage vergleichbar, nur dass es vor Eindringlingen aus der Luft warnt. Unterschieden werden kann hier zwischen der Erkennung (Detection) und der Abwehr (Protection) von Drohnen. Die Erkennung geschieht meist über die Auswertung von Audio-, Video- und Funksignale, ähnlich wie bei einer Einbrecher-Alarmanlage, die auf Sensorsignalen an Türen und Fenstern reagiert.  Für die Abwehr lassen sich die Hersteller von Drohnenabwehr-Techniken einiges einfallen. Von Gegen-Drohnen mit Fangnetzen, über abgerichtete Greifvögel bis hin zur Laserkanone oder Funkstörsysteme (sog. Jammer) ist hier einiges möglich. Die bekanntesten Abwehrsysteme sehen wie folgt aus:

Abfangnetze:

Methodik: Bei erfolgreicher Erkennung der Drohne starten Piloten ihre eigene Drohne und versuchen, die Gefahrendrohne mit einem Netz einzufangen.

Nachteil: Der Erfolg dieser Methode ist stark von der Fähigkeit des Piloten abhängt. Zudem kann dieser nicht mehrere Drohnen gleichzeitig einfangen und auch immer nur jene, die sich in unmittelbarer Nähe des Piloten befinden. Eine  gute Sicht ist ebenfalls Voraussetzung, sodass diese Methode beispielsweise nachts nur schwer anwendbar ist. Zusammengefasst sind Abfangnetze daher als teuer und schlecht skalierbar einzustufen.

Greifvögel:

Methodik: Die Greifvögel werden darauf trainiert, Drohnen zu packen und auf den Boden zu drücken.

Nachteil: Diese Methode ist sehr kostenintensiv und – wie bei den Netzen – kaum skalierbar. Auch die Effektivität bei schlechter Sicht ist sehr eingeschränkt.

Laserkanone:

Methodik: Die Laserkanone kann die Drohne automatisiert mit einem Laserstrahl anbrennen und abstürzen lassen.

Nachteil: Diese Methode ist sehr kostenintensiv und derzeit noch nicht auf dem Markt verfügbar.

Funkstörsysteme (Jammer):

Methodik: Das System sendet ein stärkeres 2,4 GHz Funksignal und/oder ein GPS Störsignal, um die Fernsteuerung des Piloten zu stören.

Nachteil: Der Einsatz von Störsendern ist weltweit rechtlich nicht zulässig. Ausnahmen bestehen lediglich für die Polizei oder ähnliche Organe und selbst diese können Störsender nur in einem sehr begrenzten Rahmen verwenden.

Hinzu kommt, dass Störsender keine Drohnen behindern können, die völlig autark (ohne GPS oder 2,4 GHz Funk) ihr Ziel finden, sondern beispielweise mittels einer autonomen Videobilderkennung. Diese Technik ist zwar (noch) sehr selten und fortschrittlich, ausgeschlossen werden kann sie aber  nicht.  99% der Drohnen werden jedoch über das WLAN Signal 2.4 GHz Band gesteuert, entweder über ein Smartphone oder über eine eigene Fernsteuerung in diesem Netz.

Fazit

Solange sich die rechtliche Situation für die Nutzung von Störsendern und den Eingriff in den Luftraum nicht ändert, können Unternehmen, Betreiber und Veranstalter zwar Drohnen erkennen, aber noch wenig dagegen ausrichten.

In vielen Fällen reicht jedoch die Erkennung einer Drohne schon aus, um diese effektiv über den Landweg abzuwehren oder entsprechende Schutzmaßnahmen für z.B. Personen und empfindliche Daten einzuleiten. Deshalb gilt nach wie vor die Empfehlung für Unternehmen und andere kritische Infrastrukturen wie (Groß-)Veranstaltungen: Wer eine Drohne erkennen kann, ist schon mal klar Vorteil. Denn nur so können organisatorische Vorkehrungen getroffen werden, um die Sicherheit aller Betroffenen zu gewährleisten.

Autoren

Dr. Wie Ding & Andrew Han  | AntiDrones.com e.K.

Poststr. 2-4 | D-60329 Frankfurt

Web: www.antidrones.com

Olaf Jastrob | Technische Unternehmensberatung Jastrob Ltd. & Co. KG

Blumenstraße 31 | D-52511 Geilenkirchen

Web: www.jastrob.de

 

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Sicherheit für Bürgerhäuser und Stadthallen

Die Relevanz von Sicherheits-, Brandschutz- und Räumungskonzepten zur Karnevalszeit

Wir alle wollen, dass wir und unsere Lieben jetzt gerade auch zur Karnevalszeit gesund und heil von Veranstaltungen nach Hause kommen.  Verantwortlich für die Sicherheit in Bürgerhäusern und Stadthallen sind gemäß geltenden Vorschriften (MVStättVO, SBauVO, DGUV Vorschriften, ArbSchG, etc.) die jeweiligen Betreiber und Veranstalter.

Sparen an der falschen Stelle

Manche Betreiber und Veranstalter nehmen jedoch die gesetzlichen Sicherheitsvorschriften aus finanziellen Gründen „nicht so ernst“. Dass sie damit die Sicherheit ihrer Besucher und auch Mitarbeiter aufs Spiel setzen, ist vielen dabei gar nicht bewusst. Erst Mittwoch zum Beispiel wurde in der  Presse wieder ein Fall bekannt, bei dem sich ein Bürgerhaus in der Region Köln wohl aus Kostengründen nicht an Brandschutzvorschriften gehalten hat und nun nachrüsten muss. Die zulässige Besucherzahl wurde um fast das doppelte überschritten. Wäre es in diesem konkreten Bürgerhaus zur Karnevalszeit zum Beispiel zu einem (Groß-)Brand gekommen oder hätte dieses aus anderen Gründen geräumt werden müssen, so hätten mit hoher Wahrscheinlichkeit Menschen Schaden genommen. Die mediale Aufmerksamkeit und die rechtlichen Konsequenzen für die Verantwortlichen wären bei solch einem Schadensereignissen immens.

Aber soweit möchte es ja eigentlich kein Veranstalter oder Betreiber kommen lassen. Deshalb sollten alle Bürgerhäuser und Stadthallen – gerade im Angesicht der Karnevalszeit – ihre Sicherheits-, Brandschutz- und Räumungskonzepte überprüfen lassen und wenn nötig proaktiv an den Sicherheitsmaßnahmen arbeiten.

„Et hätt noch immer jot jejange“ gilt nicht mehr

Oftmals wird bei Karnevalsveranstaltungen in Stadthallen und Bürgerhäusern die maximal zulässige Besucherzahl überschritten. Auch Sicherheits- und Brandschutzkonzepte sind in vielen Fällen veraltet und müssten dringend eine Aktualisierung  unterzogen werden. Hierbei sollten z.B. auch das Räumungskonzept und die Bestuhlungspläne kritisch geprüft werden.

Das Motto „et hätt noch immer jot jejange“ oder „kenne mer nit, bruche mer nit, fott domet“ sollten gerade im Bezug auf die Veranstaltung- und Besuchersicherheit endgültig der Vergangenheit angehören.

Für „machbare“ Lösungen in den Bereichen Veranstaltungssicherheit, Besuchersicherheit und Arbeitssicherheit sowie Brandschutz, Evakuierung und Erste Hilfe steht Ihnen unser erfahrenes Expertenteam gerne mit Rat und Tat zur Seite. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Website www.jastrob.de und unserem Blog www.sichere-veranstaltung.de.

 

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Sicherheit auf dem Weihnachtsmarkt und bei Events

Gehört diese nach den aktuellen Anschlägen der Vergangenheit an? 

Bevor ich mich zu diesem Thema äußere, möchte ich zunächst einmal den Opfern des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt und deren Familien, Angehörigen und Freunden mein aufrichtiges Beileid aussprechen! Auch wenn es sich hierbei ohne Zweifel um ein sehr emotionales Thema handelt, sollten wir – und insbesondere Verantwortliche aus der Veranstaltungsbranche wie Behörden, Veranstalter und Betreiber – jedoch versuchen, das aktuelle Ereignis sachlich zu bewerten und nicht in wilden Aktionismus zu verfallen. Man kann es nicht oft genug sagen:

Eine Kultur der Angst wird nicht zur Gewährleistung von Sicherheit auf Weihnachtsmärkten und anderen (Groß-)Veranstaltungen beitragen, ebenso wenig wie die Pauschalverurteilung von Randgruppen. Die absolute Sicherheit gibt es nicht und hat es auch in der Vergangenheit nie gegeben. Risiken gehören zu unserem alltäglichen Leben dazu, auch zu unserem Besuch beim Weihnachtsmarkt und unserer nächsten Silvester- oder Karnevalsfeier. Die Wahrscheinlichkeit, auf dem täglichen Weg zur Arbeit umzukommen, ist, zumindest hier in Europa, immer noch um ein Vielfaches höher, als einem Terroranschlag zum Opfer zu fallen. Dies sollten wir auch nach den aktuellen Anschlägen nicht vergessen.

Sind wir deswegen hinsichtlich der Sicherheit von Veranstaltungen machtlos? Nein! Wir können zwar nicht alles vorhersehen, aber wir müssen auch nicht warten, bis etwas passiert, um dann festzustellen, dass es Sicherheitsmängel gab. Es gibt bei jeder Veranstaltung irgendwo einen Mangel, denn niemand ist perfekt. Aber nicht Angst oder Aktionismus sollten unser Handeln prägen, sondern ein professioneller Umgang mit dem Thema Sicherheit. Die Gewährleistung der Grundsicherheit und damit der Resilienz einer Veranstaltung ist hierbei ein entscheidender Faktor.

Nur mit einer soliden Grundsicherheit – und hierzu zähle ich die Besuchersicherheit, Mitarbeitersicherheit und öffentliche Sicherheit – können wir uns bestmöglich sowohl gegen interne als auch externe Gefährdungen schützen. Handlungsbedarf sehe ich bei meiner täglichen Arbeit zum Beispiel immer wieder im Bereich der Erstellung und Validierung von professionellen Sicherheits-, Brandschutz- und Räumungskonzepten, der Festlegung geeigneter Organisationsstrukturen sowie der Schulung von Mitarbeitern. Hierauf sollten Verantwortliche der Veranstaltungsbranche meiner Meinung nach speziell in der heutigen Zeit ihr Hauptaugenmerk richten.

Gerne stehe ich Behörden, Veranstaltern, Betreibern und Interessierten für Fragen rund um die
Veranstaltungssicherheit, Besuchersicherheit und Arbeitssicherheit zur Verfügung.

 

Ihr

Olaf Jastrob

(Sachverständiger und Fachplaner für Besuchersicherheit (FH))

 

 

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Nach Silvester 2015/16: Neue Sicherheitsmaßnahmen für Großveranstaltungen

Wichtige Hinweise zum Thema Veranstaltungs- und Besuchersicherheit bei Großveranstaltungen – nicht nur an Silvester.

Einlasskontrollen,  Einsatz von Reiterstaffeln und Helikoptern, erhöhte Beobachtungsposten und mobile Dienststellen der Polizei, Videoüberwachung und Lichtmasten zur Ausleuchtung dunkler Ecken sowie Frauenrückzugsräume: Diese und weitere Maßnahmen sollen Polizeiexperten aus Bund und Ländern laut WDR (Stand: 28.11.2016) in einem 60-seitigen „geheimen“ Arbeitspapier entwickelt haben, um die Besuchersicherheit auf Großveranstaltungen zu erhöhen. Auch das Kölner Sicherheitskonzept für Silvester 2016/17 wurde verschärft.

Olaf Jastrob, führender Fachplaner und Sachverständiger für Veranstaltungssicherheit, begrüßt diese Entwicklungen grundsätzlich:

„Um die Sicherheit einer Veranstaltung bestmöglich gewährleisten zu können, sollte man sich sachlich mit aktuellen Gefährdungspotenzialen auseinandersetzen und passende Maßnahmen entwickeln.“

 „Grundsicherheit“ ist das Stichwort

Zusätzlich weißt er jedoch darauf hin:

„Die Grundsicherheit und damit Resilienz einer Veranstaltung ist ein ganz entscheidender Faktor. Das heißt, dass die Besuchersicherheit, Mitarbeitersicherheit und öffentliche Sicherheit miteinander vereint und eine solide, übergeordnete Grundsicherheit geschaffen werden muss. Themen wie Evakuierung, Brandschutz, Arbeitssicherheit, technische Sicherheit, Ordnungsdienst, Security sowie Anlagen- und Betriebssicherheit sollten bei jeder Veranstaltung als Bestandteile dieser übergeordneten Sicherheit betrachtet werden. Um diese gewährleisten zu können ist es unabdingbar, geeignete Organisationsstrukturen, professionelle  Gefährdungsanalysen sowie Sicherheits- und Notfallkonzepte zu erstellen und regelmäßig zu überprüfen.“

Das Sicherheitskonzept – Wann ist es wirklich notwendig?

Die Versammlungsstättenverordnung (VStättVO, je nach Bundesland auch MVStättVO, SBauVO, o.ä.) schreibt offiziell vor, dass immer dann ein Sicherheitskonzept erstellt und ein Ordnungsdienst eingerichtet werden muss, wenn die Versammlungsstätte mehr als 5.000 Besucherplätze vorweisen kann. Zusätzlich ist die Erstellung eines Sicherheitskonzepts auch bei kleineren Veranstaltungen notwendig, sobald ein entsprechendes Gefährdungspotenzial vorliegt. Somit ist die Erforderlichkeit eines Sicherheitskonzeptes, der Einsatz eines Ordnungsdienstes oder gesonderten Räumungskonzeptes grundsätzlich zu prüfen. Die genauen Vorgaben und Geltungsbereich der VStättVO finden Verantwortliche auf der jeweiligen Landesrechtseite im Internet.

Fazit

Auch wenn eine 100%-ige Sicherheit bei Veranstaltungen nie garantiert werden kann, hilft ein professioneller Umgang mit dem Thema, Not- und Zwischenfälle zu vermeiden bzw. deren Auswirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. Die Erstellung bzw. Aktualisierung von Gefährdungsanalysen sowie Sicherheits- und Notfallkonzepten ist hierfür die Grundvoraussetzung und sollte bei keiner Veranstaltungsplanung außer Acht gelassen werden.

Sie haben noch Fragen zum Thema Veranstaltungs- und Besuchersicherheit? Dann kontaktieren Sie Fachplaner und Sicherheitsexperten Olaf Jastrob.

 

 

Bildquelle:©Daniel Etzold – Fotolia.com

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Sicherheit für Mädchen und Frauen auf der Münchener Wiesn


Sicherheit wurde während des Münchener Oktoberfestes auch dieses Jahr wieder großgeschrieben. Zu den Sicherheitsmaßnahmen gehörte – wie auch in den letzten Jahren –  ein fester Security-Point der Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“, an den sich Wiesn-Besucherinnen in verschiedensten Problemsituationen wenden können.

Gegründet wurde diese Aktion schon 2003 von AMYNA – Institut zur Prävention von sexuellem Missbrauch, IMMA – Initiative Münchner Mädchenarbeit –  und dem Frauennotruf München, um mit dem Tabuthema „sexuelle Gewalt auf dem Oktoberfest“ aufzuräumen und betroffenen Mädchen und Frauen aktive Hilfe anzubieten. Was damals in einem Wohnwagen begann, ist mittlerweile fest auf der Theresienwiese etabliert und wurde 2010 mit dem Anita-Augspurg-Preis zur Förderung der Gleichberechtigung von Frauen ausgezeichnet.

Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen 2016

Auch bei der Wiesn 2016 wurde der männerfreie Security-Point von zahlreichen Mädchen und Frauen in Anspruch genommen. Während des 17 Tage andauernden Volksfestes haben sich 216 Besucherinnen verschiedenster Nationen an die Fachberaterinnen und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen vor Ort gewandt. Die wenigsten Frauen und Mädchen waren jedoch Opfer sexueller oder anderer körperlicher Gewalt. Viele Besucherinnen wandten sich an den Security-Point, weil sie ihre Gruppe, ihr Handy und/oder ihr Portemonnaie verloren hatten und plötzlich alleine dastanden. Auch Mädchen, die unter Alkoholeinfluss standen oder sich aus anderen Gründen unwohl fühlten, konnten hier Schutz und Hilfe bekommen. „Viele Unglücke passieren auf dem Heimweg“ – so Anja Bawidamann, Sozialpädagogin bei AMYNA e.V. – „Uns ist es wichtig, dass sich Mädchen und Frauen sicher fühlen und sich z.B. nicht nachts alleine auf den Weg machen müssen. Wir probieren daher, Freunde oder Bekannten zu erreichen, die die Klientinnen bei uns oder an einem Treffpunkt abholen. Sollte dies nicht gelingen, ermöglichen wir ihnen auch eine Taxifahrt oder bringen sie persönlich nach Hause oder in ihr Hotel.“

Prävention und Sensibilisierung

Auch vor ihrem Wiesn-Besuch erhalten Frauen und Mädchen über Plakate, Flyer sowie die Webseite und sozialen Netzwerke der Aktion in bis zu zehn Sprachen nützliche Sicherheitstipps: „Wir empfehlen zum Beispiel, vor dem Wiesn-Besuch einen Treffpunkt mit Freunden auszumachen und wichtige Gegenstände (Geld, Handy, Schlüssel bzw. Hoteladresse) immer am Körper zu tragen“ – so Bawidamann.

Zusätzlich zur Werbung vor Ort gibt es auch eine Pausenhofaktion, bei der rund 5.500 Schülerinnen und Schüler im Landkreis München auf die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ aufmerksam gemacht und für das Thema „sexuelle Gewalt bei Veranstaltungen“ sensibilisiert werden.

Fazit

Fachplaner und Experte für Besuchersicherheit Olaf Jastrob, der sich bereits vor Wiesn-Beginn im Rahmen eines Expertenaustausches mit den Mitarbeiterinnen der Aktion unterhalten hat, fasst zusammen: „Durch ihre Präventionskampagimg_4621nen und den Security-Point vor Ort, trägt die Aktion „Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen“ zu einem nicht unerheblichen Teil zur Besuchersicherheit während des Münchener Oktoberfestes bei. Damit ist diese Aktion in meinen Augen ein gutes Vorbild für Betreiber und Veranstalter von Volksfesten und Großevents, denen die Sicherheit ihrer (weiblichen) Besucher am Herzen liegt!“ Sie möchten mehr Informationen zur Besuchersicherheit bei Veranstaltungen jeder Art und Größe, dann besuchen Sie uns auf www.jastrob.de!

Sicherheitsexperte Olaf Jastrob und Autorin Jana Domrose  (M.Sc. Psychologie)

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